Dienstag, 20. Februar 2018

Euro-Krise Erst Europa, dann die ganze Welt

Die Euro-Krise stoppt nicht mehr an Europas Grenzen. Schon sind Staaten und Unternehmen weltweit betroffen, die anschwellende Krisenlawine zeigt Ähnlichkeiten mit den Folgen der Lehman-Bankpleite. Jetzt wird klar: Die Staatsverschuldung ist zu einem Sicherheitsrisiko vieler Nationen geworden.

Hamburg - Europa, die ganze Welt, hält inne. Die Staats- und Regierungschefs der 27 Staaten der Europäischen Union, des zweitgrößten Wirtschaftsblocks der Welt, haben in einer dramatischen Abstimmung die europäische Währung zu retten versucht. Bis zu 750 Milliarden Euro in Form eines gigantischen Kreditprogramms können jetzt mobilisiert werden, um "die Attacke gegen die gesamte Euro-Zone" zurückzuschlagen, wie es Nicolas Sarkozy formuliert.

Europäische Union: Selbst entfernte Wirtschaftsregionen spüren bereits die ersten Schockwellen der Euro-Krise
Frankreichs Staatspräsident hat damit fast noch untertrieben. Die Euro-Krise ist längst nicht mehr ein Problem Europas allein. Sie hat das Potential zu einer globalen Wirtschaftskrise. Und genau deshalb hält die Welt heute zu recht gemeinsam mit Europa inne.

Selbst entfernte Wirtschaftsregionen spüren bereits die ersten Schockwellen der Euro-Krise. Dazu gehört beispielsweise Brasilien - und damit selbst einer der Staaten, der die Weltwirtschaft zuletzt mit aus der vergangenen Krise zog. Doch Brasiliens Regierung hat plötzlich den Verkauf eigener Staatsanleihen zusammenstreichen müssen, weil nervöse Anleger dem lateinamerikanischen Staat schlicht nicht mehr so viel Kredit zu den angebotenen Konditionen geben wollten, wie sich das Brasiliens Regierung gedacht hatte.

Zudem muss das Land jetzt wie alle Mitgliedsstaaten des Internationalen Währungsfonds direkt in die eigene Kasse greifen, um die Unterstützung für Griechenland mitzustemmen. Vor allem aber, um mögliche weitere strauchelnde Euro-Staaten zu stützen. Bis zu 250 Milliarden Euro steuern die IWF-Staaten dazu bei, die formale Einigung darauf dürfte schnell zustande kommen. Somit leidet dann auch Südamerika unter der Krise Europas.

Mehr noch: Nach Angaben des Finanzdienstleisters Thomson Financial haben allein in der vergangenen Woche weltweit zehn größere Unternehmen geplante Börsengang abgesagt, weil unter dem Eindruck der Euro-Krise nicht genügend internationale Investoren auch noch in neue Aktiengesellschaften investieren wollten. Damit stehen die betroffenen Unternehmen aktuell ohne die angestrebte Finanzspritze aus dem geplanten Börsengang da. Solch eine Stornierungswelle haben die globalen Börsen offenbar zuletzt im Oktober 2008 hinnehmen müssen. Das war der Folgemonat der Lehman-Pleite, die zum Ausgangspunkt der weltweiten Finanz-, und schließlich der globalen Wirtschaftskrise wurde.

Mittlerweile aber bedroht die Euro-Krise auch direkt die ohnehin noch angeschlagene US-Wirtschaft. Sie leidet beispielsweise unter der Dollar-Aufwertung gegenüber dem Euro; seit Jahresbeginn zog der Greenback um etwa 15 Prozent gegenüber dem Euro an. Denn allein die 500 bedeutendsten börsennotierten Konzerne Amerikas, deren Aktien im Leitindex Standard & Poor's 500 gelistet sind, haben zuletzt mehr als ein Viertel ihres Gewinns auf den Auslandsmärkten eingestrichen. Nach Berechnungen der US-Bank Citigroup davon einen erheblichen Teil in Europa.

Fällt dieser Profitschub nun geringer aus, weil Europas Konzerne ihren US-Rivalen dank der Devisenkursverschiebungen wieder Marktanteile abluchsen, kann das harte Konsequenzen für Amerika haben: Das Verharren in einer stagnierenden Wirtschaft, statt des Umschwungs in eine sich erkennbar erholende. Genau deshalb ist Europas Währung schon jetzt zu Amerikas Problem geworden. Doch es droht aus internationaler Sicht noch schlimmer zu werden.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH