Samstag, 1. August 2015

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Die tägliche Wirtschaftsglosse Monsanto-Schnitzel mit Pommes

Der Biotechkonzern Monsanto hat ein Patent auf Schinken und Schnitzel angemeldet. Das Unternehmen hat das Schwein neu erfunden, dank gentechnisch veränderter Futterpflanzen. Welch ein Fortschritt: Am Ende des Tages wird der Konzern nicht nur Schnitzel und Schinken, sondern sämtliche Fleischesser patentieren lassen.

Am sechsten Tag schuf Gott den Menschen sowie alle Tiere, die auf dem Land leben. Dieser Eindruck drängt sich beim Lesen der Schöpfungsgeschichte auf. Doch folgt man der Argumentation der umtriebigen Jungs von Monsanto Börsen-Chart zeigen, muss die Schöpfungsgeschichte jetzt neu geschrieben werden.

Kai Lange
Kai Lange
Es muss fortan heißen: Gott schuf Himmel und Erde usw. usw., und an einem schönen Tag des frühen dritten Jahrtausends, da kamen Monsanto-Manager daher und begannen, alles neu zu schaffen.

Zunächst einmal ein paar Pflanzen, dann das Schwein, dann den Fisch, und dann noch viel mehr. Nachzulesen ist das nicht in der Genesis, sondern in der Heiligen Schrift der Neuzeit, dem Lizenzregister der Weltpatentbehörde in Genf, unter der Nummer WO/2009/097403.

Wie kann man das Schwein neu erfinden? Ganz einfach: Indem man ihm genmanipulierte Pflanzen füttert, die zu einer höheren Konzentration ungesättigter Fettsäuren im Schweinefleisch führen. Dieses neue, gleichsam ungesättigte Monsanto-Schwein soll als Schnitzel oder Schinken für den Menschen viel gesünder sein. Heißt: Wir müssen uns in der Kantine nicht mehr schämen, wenn wir wieder einmal Schnitzel mit Pommes bestellen. Keine Sekunde der Reue mehr wegen des Fettes und des Cholesterins. Dank des Monsanto-Schnitzels sind auch wir bald ungesättigt, fit und ideenreich.

Morgens Weltmeister-Brötchen, mittags Monsanto-Schnitzel: Damit keine Langeweile aufkommt, haben Monsanto-Manager bereits weitergedacht. Sie haben jüngst auch ein Patent auf Fischprodukte angemeldet, die mit hauseigenen genmanipulierten Futterpflanzen hergestellt wurden und so einen höheren Anteil an Omega-3-Fettsäuren enthalten. Statt Forelle blau öfter mal die patentierte Forelle Omega 3, und der Herzinfarkt hat keine Chance.

Die Wirtschaftsglosse im manager magazin
Jeden Freitag eröffnen Autoren aus der Print- und Onlineredaktion von manager magazin einen anderen Blickwinkel auf das Wirtschaftsgeschehen: Weniger kursrelevant, aber am Ende des Tages umso unterhaltsamer.
Bei Greenpeace sorgen diese Aussichten für Herzrasen. Schnitzel und Schinken seien keine Erfindung, heißt es dort. Die Umweltorganisation fürchtet: Sollte das Patent erteilt werden, würden Lizenzansprüche vom Saatgut einer Pflanze über das Tier bis hin zum Schweinebraten frei gemacht. Eine neue Wertschöpfungskette für Biotechbastler. Haben diese Umweltschützer und ewigen Nörgler denn nicht weit genug in der Genesis gelesen? "Seid fruchtbar und mehret euch", heißt es dort, "bevölkert die Erde, unterwerft sie euch, und herrscht über die Fische des Meeres und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen."

Monsanto hält sich dran. Nach dem Schnitzel 2.0 kommt bald das Fischstäbchen 2.0. Alles frisch unterworfen.

Der Clou an der Strategie "Unterwerfung durch Fütterung": Am Ende sind vielleicht nicht nur Fisch und Schwein, die mit Monsanto-Mahlzeiten aufwachsen, patentfähig. Die Industrie blickt gebannt auf die zahllosen Fisch- und Fleischesser, bei denen sich nicht nur die Qualität der Aminosäuren im Körper ändert. Wäre doch gelacht, wenn sich diese Konsumenten nicht auch lizensieren ließen. Der neu erfundene Monsanto-Mensch: Wer nur genug Monsanto-Sachen isst, wird von Monsanto patentiert.

Und Monsanto sah, dass es gut war.

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