Donnerstag, 1. September 2016

Euro-Austritt Träume von der harten Mark

Ausgerechnet am stärksten Glied der Kette könne die Europäische Währungsunion reißen, warnen Ökonomen. Nicht Griechenland, sondern Deutschland werde den Euro zuerst aufgeben. Die Stimmung im Volk würde eine Rückkehr zur D-Mark treffen. Doch die Risiken der Retro-Geldpolitik sind enorm.

Hamburg - Plötzlich ist das Undenkbare doch denkbar. In der Schuldenkrise geraten alte Gewissheiten ins Wanken. Die Regel, dass die Euro-Länder nicht für die Schulden eines Partnerlandes einstehen müssen, ist bereits Geschichte. Schon wird eifrig über ein Auseinanderbrechen der gesamten Währungsunion diskutiert. Selbst die Europäische Zentralbank sieht sich bemüßigt, das zu thematisieren.

Blühende Landschaften: Mit eigenen Währungen könnten Europas Staaten wieder die Geldpolitik an den eigenen Bedürfnissen ausrichten
"Der Austritt eines Mitgliedsstaats aus der Währungsunion wäre rechtlich nicht möglich ohne den gleichzeitigen Rückzug aus der EU", beruhigt EZB-Jurist Phoebus Athanassiou, schränkt zugleich aber ein: Mit dem neuen Lissabonner EU-Vertrag ist ein einseitiger EU-Austritt erstmals als Option festgeschrieben. Und in Verhandlungen könne sowieso jede Änderung der Verträge erreicht werden. Was juristisch nicht geht, kann politisch durchaus möglich sein.

Die Investmentbank Morgan Stanley Börsen-Chart zeigen jedenfalls stellt ihre Kunden bereits auf ein Ende des Euros ein. "Wir haben das Endspiel noch nicht erreicht, aber das Szenario ist mit der jüngsten Entwicklung wahrscheinlicher geworden", erklärt Bankökonom Joachim Fels. Während etwa Griechenland mit der Rückkehr zur Drachme auf Staatsbankrott, Kapitalflucht und Bank Run zusteuern würde, könnte der Austritt für ein Land wie Deutschland in Zukunft attraktiver werden - als "einziger Weg, Geldwertstabilität zu sichern". Denn die Gefahr wachse, dass die Euro-Zone im Lauf der Zeit "zu einer Zone fiskalischer Lasterhaftigkeit, Währungsschwäche und höheren Inflationsdrucks degeneriert".

Die Euro-Gegner hierzulande werden es gern vernehmen. "Dann muss Deutschland austreten, um seine Zukunftsfähigkeit zu behalten und nicht mit hinabgezogen zu werden", forderte jüngst im Deutschlandfunk Wilhelm Nölling, ehemaliger Bundesbanker und einer der vier Professoren, die bereits gegen die Euro-Einführung Verfassungsklage einlegten, was sie nun wiederholen wollen.

Sein Mitstreiter Wilhelm Hankel sammelt bereits Unterschriften für eine Petition an die Bundeskanzlerin: "Geben Sie den Staaten Europas ihre Währungen wieder." Die D-Mark stehe für die Identität und geschichtliche Leistung der Deutschen, Wohlstand und Wirtschaftswunder. Ihre Abschaffung ohne Volksbefragung sei einem "Staatsstreich" gleichgekommen.

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