Mittwoch, 25. Mai 2016

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Schuldenkrise Deutsche Firmen zittern um ihre Ausfuhren

Die dramatische Lage in den europäischen Schuldenstaaten Griechenland, Portugal, Spanien und Irland verschärft sich täglich. Deutsche Unternehmen sehen deshalb ihr Exportgeschäft zusehends gefährdet. Eine wachsende Zahl von Firmen ruft den Staat zu Hilfe.

Hamburg - Ob in Griechenland, Spanien, Italien oder Portugal - im gesamten Südgürtel der Europäischen Union beklagen sich deutsche Unternehmen über die mangelhafte Zahlungsbereitschaft der örtlichen Kunden. "Dieses Thema ist bereits seit längerem eine der Sorgen der Firmen und hat sich in letzter Zeit eher noch verschärft", heißt es beispielsweise von der deutschen Außenhandelskammer in Lissabon.

Erfolgsmodell in Gefahr? Deutsche Exporteure fürchten um ihre Ausfuhren
Der Mechanismus ist vielerorts derselbe. Die hochverschuldeten Staaten müssen sparen und halten sich mit Investitionen zurück, was viele Firmen schwächt. Außerdem geben die Banken Firmen nicht mehr ohne weiteres Kredite, weil ihre Einlagen schrumpfen oder sie problematische Staatsanleihen halten.

"Firmen müssen damit rechnen, dass es zu Zahlungsverzögerungen kommt. Zudem steigt das Insolvenzrisiko", sagt Länderanalyst Martin Köhring der Wirtschaftsauskuftei D&B, gegenüber manager magazin. Auf dem Spiel steht ein bedeutender Teil des deutschen Exports. Im Jahr 2009 betrug das deutsche Exportvolumen in die verschuldeten Staaten Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien etwa 75 Milliarden Euro, das sind immerhin gut 11 Prozent der gesamten Ausfuhren.

Deutsche Firmen versuchen daher nun fieberhaft, ihre Exporte mit Kreditversicherungen zu schützen. "Aus dem Dialog mit Handelsunternehmen wissen wir, dass derzeit eine große Nachfrage nach diesen Absicherungen besteht", sagt der Präsident des Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner, gegenüber manager magazin. "Gerade für größere Transaktionen suchen risikobewusste Unternehmer wegen der stark steigenden Insolvenzen immer öfter eine Absicherung", bestätigt der Deutschland-Chef des Versicherers Atradius, Thomas Langen, gegenüber manager magazin.

Doch offensichtlich gelingt dies immer häufiger nicht mehr. "Die Verfügbarkeit kurzfristiger privater Exportkreditgarantien vor allem für kleinere Exportunternehmen ist nach wie vor sehr angespannt", sagt Außenwirtschaftsexperte Alexander Lau vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in Brüssel. Deshalb wollen viele Banken die Ausfuhren nicht mehr finanzieren. "Die Probleme bei der Exportfinanzierung haben nochmals zugenommen", sagt Lau. "Sie konzentrieren sich insbesondere auf exportstarke Branchen wie dem Maschinenbau, aber auch Hochtechnologieunternehmen."

Gerade bei Geschäften in Staaten wie Griechenland, das EU und IWF aufgrund der desolaten Haushaltslage jüngst um Milliardenhilfen gebeten hatte, halten viele Banken und Firmen Exportkreditversicherungen inzwischen jedoch für unverzichtbar. Allein für das besonders stark von der Schuldenlast geplagte Land verzeichnete die Assekuranz ein Deckungsvolumen von 1,3 Milliarden Euro per Ende Februar, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) manager magazin mitteilte. Zum Vergleich: Die gesamten deutschen Exporte nach Griechenland beliefen sich 2009 auf 6,65 Milliarden Euro.

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