Montag, 17. Dezember 2018

UBS Aktionäre verweigern Ex-Management die Entlastung

Der Plan der UBS, ihren Mitarbeitern trotz Milliardenverlusts drei Milliarden Franken an Boni zu zahlen, erregt die Investoren bei der Hauptversammlung. Der Vergütungsbericht der Bank wird von rund 40 Prozent der Aktienstimmen abgelehnt. Später verweigern die Anteilseigner dem Management zudem die Entlastung für 2007.

Basel/Hamburg - UBS-Chef Oswald Grübel hatte die Aktionäre wohl versöhnen wollen, als er am Montag einen 2,5 Milliarden Franken hohen Konzerngewinn für das erste Quartal in Aussicht stellte. Doch die Anteilseigner der Schweizer Großbank zeigten sich am Mittwoch zur Hauptversammlung in Basel alles andere als handzahm.

UBS-Chef Grübel: "Wiederherstellung von Vertrauen ist harte Arbeit"
Ihrem Ärger über das Management sowie die Entwicklung und die Boni-Politik der Bank machten sie in der St. Jakobshalle reichlich Luft. Der Unmut der Aktionäre sollte sich auch in den späteren Abstimmungen niederschlagen.

Auf der Generalversammlung in Basel lehnten am Nachmittag rund 40 Prozent der vertretenen Aktienstimmen den Vergütungsbericht der Bank ab. Die Abstimmung ist für die Bank nicht verbindlich, da es sich um eine sogenannte Konsultativabstimmung handelte. Dennoch ist es eine Ohrfeige für Management und Verwaltungsrat der Bank.

Noch dicker kam es am Abend: Mehrheitlich verweigerten die Aktionäre dem früheren Management um Ex-Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel die Entlastung für das Jahr 2007. Die Konsequenz: Die Aktionäre können weiterhin Ansprüche gegen die Konzernleitung für dieses Jahr erheben. Die Entlastung für die Jahre 2008 und 2009 wurde indes erteilt.

"Wir empfinden Demut"

Dabei hatte sich der amtierende Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger zuvor verbal noch tief vor den Anteilseignern verbeugt: "Wir empfinden heute auch Demut. Denn wir wissen, wie sehr die UBS Börsen-Chart zeigen , auf die man hierzulande so stolz gewesen war, Schweizerinnen und Schweizer enttäuscht hat." Die UBS hatte durch das Debakel mit amerikanischen Ramschhypotheken ein ums andere Jahr Milliardenverluste eingefahren und musste mit Milliarden Steuergeld vor dem Untergang gerettet werden. Im vergangenen Geschäftsjahr 2009 hatte der Verlust noch satte drei Milliarden Schweizer Franken betragen.

Gleichwohl zeigte sich Villiger optimistisch, die Vertrauenskrise, die sich in einem nach wie vor anhaltenden Abfluss von Kundengeldern spiegelt, überwinden zu können. "Vertrauen kann über Nacht zerstört werden. Die Wiederherstellung von Vertrauen ist aber harte und langwierige Knochenarbeit. Das wissen wir", sagte Villiger. Die UBS werde ihren "steinigen Weg der harten Arbeit" fortsetzen. "Alles was wir tun, hat den Kundinnen und Kunden zu dienen", unterstrich Villiger den Kern der neuen Strategie.

Versagen der Ex-Vorstände: "Nicht leichtfertig verzichtet"

Vielen kritischen Rednern ging es am Mittwoch in Basel aber zunächst weniger um die Zukunft als um Vergangenheitsbewältigung und die Frage von Verantwortlichkeit. Sie verübeln es der gegenwärtigen Konzerspitze vor allem, dass sie sich weigert, ihre Vorgänger gerichtlich zur Rechenschaft zu ziehen. Deshalb hatten bereits im Vorfeld der Versammlung institutionelle Investoren wie die Anlegerstiftung Ethos beantragt, der UBS-Führung für die Jahre 2007, 2008 und 2009 die Entlastung zu verweigern.

Die Frage der Verantwortlichkeit für das Debakel der UBS lasse den Verwaltungsrat "keineswegs kalt", sagte Villiger. Der Verwaltungsrat habe nicht leichtfertig auf Ansprüche gegen ehemalige Vorstände verzichtet. Die zehn internen und externen Untersuchungen im Zusammenhang mit Verlusten aus Subrime-Geschäften oder den grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäften in den USA hätten keine Beweismittel zutage gebracht, die es "als erfolgversprechend erscheinen ließen, Klagen gegen ehemalige Organpersonen einzureichen", führte Villiger weiter aus und mahnte zugleich: "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht durch die lähmende Aufarbeitung von Vergangenem den Schwung und die Lust zur Gestaltung des Künftigen verlieren."

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