Donnerstag, 29. September 2016

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Währungskrise "Der Euro muss weg"

Europa wird Griechenland helfen, wenn es hart auf hart kommt. Doch kann der Rettungsmechanismus auch die weitere Zuspitzung der Euro-Staatsschuldenkrise verhindern? Finanzexperte Max Otte sagt im Gespräch mit manager magazin, warum nicht mehr als Flickschusterei möglich und ausgerechnet der Euro an allem Schuld ist.

mm: Herr Professor Otte, die Euro-Staaten haben sich zur Stützung Griechenlands durchgerungen, wenn auch im Notfall mit Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF). Ist die Euro-Krise damit beendet?

Schuldenproblem in Europa: "Es war absolut intelligent den IWF einzubinden", urteilt Max Otte, BWL-Professor an der Fachhochschule Worms
Otte: Es war absolut intelligent den IWF einzubinden. So kann im Notfall ein neutraler Dritter die Kontrolle übernehmen. Aber ob das langfristig reicht?

mm: Sie glauben das nicht?

Otte: Wir haben das aktuelle Feuer gelöscht. Strukturell sind die nötigen Weichen aber noch nicht richtig gestellt worden.

mm: Was muss also geschehen, um Euro-Land langfristig auf sichere Füße zu stellen?

Otte: Die Südländer müssen raus aus der Währungsunion.

mm: Bitte? Wir wollen doch Euro-Land vor der Zerschlagung retten. Nicht aber die Euro-Region selbst zerschlagen.

Otte: Der Euro war seit seiner Einführung ein Wahnsinn. Sämtliche Vorteile der gemeinsamen Währung hätte man sich auch durch eine Wirtschaftsunion sichern können. Den Euro brauchen wir dazu nicht. Es reicht ein Regime fester, aber anpassungsfähiger Wechselkurse. Das wäre auch heute das Beste für Europa.

mm: Aber die Südländer der Euro-Zone haben doch durch den Euro die Chance gehabt, ihre Finanzen leichter in Ordnung zu bringen. Beispielsweise durch die günstigeren Zinsen für deren Staatskredite. Deshalb müsste doch gerade der Euro helfen, um die wirtschaftlich schwächeren Staaten Europa enger an die stärkeren heranzuführen und Europa so zu einen.

Otte: Diese so genannte Euro-Dividende hat es tatsächlich gegeben. Da haben Sie Recht. Aber die Dividende ist völlig fehlgeleitet worden. Die Wirtschaftspolitiker in zu vielen Südländern konnten mit den niedrigen Zinsen nicht verantwortungsvoll umgehen. Statt der Entschuldung ihres Staates, wie es beispielsweise Italien als Ausnahme versucht hat, nutzen sie die Niedrigzinsen als Treibsatz für einen künstlichen Immobilienboom im eigenen Land. Indirekt hat der Euro so das Entstehen einer Blase an den Immobilienmärkten begünstigt.

mm: Aber mit Verlaub, Herr Professor Otte: Selbst wenn Sie Recht hätten, wird doch keine europäische Regierung fordern, den Euro aufzugeben. Er ist doch zu einem Symbol für Europa geworden, oder?

Otte: Man kann auch falschen Symbolen nachhängen.

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