Montag, 19. November 2018

Klage in den USA Daimler hatte früh Hinweise auf Korruption

Der Daimler-Konzern hatte nach Medienberichten bereits im Jahr 2000 Hinweise auf Korruption im Unternehmen. Sie seien aber ignoriert worden, hieß es. Nun zerrt die US-Justiz den Stuttgarter Konzern vor ein Gericht in Washington.

Hamburg - Es habe Vertriebsmanager gegeben, die sich "gegen eine Kontrolle von Konten" gewehrt hätten, über die "offenbar Schmiergeldzahlungen abgewickelt wurden", berichtet der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe. Das Magazin beruft sich auf die Klageschrift der USA gegen Daimler Börsen-Chart zeigen . Eine Sprecherin des Unternehmens wollte am Sonntag zu den Vorwürfen insgesamt nicht Stellung beziehen.

Nach jahrelangen Ermittlungen hatte das US-Justizministerium Daimler zu Beginn vergangener Woche wegen Korruption in mindestens 22 Ländern angeklagt. Der Autohersteller soll insgesamt 185 Millionen Dollar Strafe zahlen. Er bekannte sich schuldig. Ein Richter muss dem ausgehandelten Vergleich aber am 1. April noch zustimmen.

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Vor diesem Termin werde Daimler aus rechtlichen Gründen die Geschehnisse in keiner Form kommentieren, betonte die Daimler-Sprecherin am Sonntag.

Nach dem Bericht hat der ehemalige Chef der internen Revision des Konzerns bereits im Mai 2000 gewarnt, mit Hilfe von "internen Fremdkonten" unsaubere Zahlungen im Ausland zu leisten. Daimlers Revisionschef schlug vor, seine Abteilung solle diese Konten kontrollieren, "juristisch problematische Zahlungen identifizieren" und unterbinden. Dem habe sich die Vertriebsabteilung des Konzerns aber widersetzt, klagte der Revisor nach "Spiegel"-Angaben.

Bislang war lediglich bekannt, dass es seit 2004 durch einen Tipp eines Mitarbeiters Ermittlungen gegeben hatte. Von 2005 an finden sich dann immer wieder Hinweise auf die Schmiergeldaffäre in den Geschäftsberichten. Das Thema kochte allerdings nie wirklich hoch. Das Interesse der deutschen Justiz war verhalten.

"Daimler verfolgte eine langjährige Praxis des Schmiergeldzahlens", heißt es in der . In mindestens 22 Ländern - genannt werden etwa China, Russland, Nigeria, Ungarn oder die Türkei, nicht aber Deutschland oder die USA selbst - habe der Konzern zwischen 1998 und 2008 "unsaubere Zahlungen" in einem zweistelligen Millionenbetrag an Regierungsbeamte geleistet, um Aufträge für den Kauf von Fahrzeugen zu ergattern. Deren Wert belaufe sich auf hunderte Millionen Dollar.

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