Montag, 20. August 2018

Vergreisung Zeitbombe für den Euro

Griechenland ist nur ein Vorgeschmack: Auf die Haushalte der meisten EU-Mitgliedsländer rollt langfristig eine gigantische Schuldenwelle zu - weil der Anteil von Alten an der Bevölkerung emporschnellt. Reagieren die Staaten nicht radikal, dürfte das Vertrauen in den Euro weiter schwinden.

Hamburg - An drastischen Worten gegenüber Griechenland mangelt es Vertretern anderer Mitgliedsstaaten derzeit nicht. Von "Sabotage unserer Währung" sprach zuletzt der CSU-Abgeordnete Peter Gauweiler angesichts der Schuldenwirtschaft der Hellenen.

Auch aus anderen EU-Ländern mussten die Griechen umso heftigere Attacken einstecken, je weiter der Kurs der Gemeinschaftswährung fällt: Im Laufe dieses Jahres verlor der Euro gegenüber dem US-Dollar in etwa 7 Prozent an Wert; das allerdings ist noch immer viel mehr als der Startkurs des Euro gegenüber dem Dollar vor gut einem Jahrzehnt.

Mehr noch: Angesichts der Zahlentrickserei der Statistikbehörde und erwiesener Ineffizienz von Teilen des griechischen Staatswesen ist der Ärger über des Euro-Sorgenkindes zwar verständlich. Doch die momentane Schuldenkrise des Landes im Südosten Europas gibt möglicherweise nur einen Vorgeschmack auf ein Problem, das fast allen Euro-Ländern droht.

Auch ihre Finanzen geraten nach übereinstimmender Meinung von Experten in arge Finanznöte, wenn sie weiterwurschteln wie bisher. Das gravierendste Problem ist dabei die zunehmende Alterung der Gesellschaft - und dass sich die meisten Regierungen darum drücken, es zu lösen.

Bereits im vergangenen Jahr hat die EU-Kommission ausgerechnet, wie stark die Verschuldung in den einzelnen Mitgliedsländern anschwillt, falls die Regierungen nicht radikal umsteuern. Das Ergebnis ist für nahezu alle Staaten dramatisch: Die Verschuldung der meisten Länder steigt demnach bis zum Jahr 2060 auf ein Vielfaches des Bruttoinlandsprodukts, wenn alles bleibt wie bisher.

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