Donnerstag, 15. November 2018

Protest gegen Sparplan Generalstreik legt Griechenland lahm

2. Teil: Griechen kritisieren deutsches "Finanznazitum"

Der Streik fiel mit dem Besuch einer europäischen Kontrollkommission zusammen. Das Team könne sich ein Bild von der kämpferischen Reaktion der griechischen Arbeiterschaft auf den Druck aus Brüssel machen, kommentierte die linksliberale Zeitung "Eleftherotypia". Die Regierung hat es bisher abgelehnt, den Forderungen der Gewerkschaften nachzugeben. Finanzminister Giorgos Papakonstantinou schloss sogar weitere Kürzungen als Konsequenz aus dem Besuch der EU-Inspektoren nicht aus.

"Die Plutokraten müssen für die Krise bezahlen": Demonstranten der Gewerkschaft PAME
Am Tag des Generalstreiks wurde auch Kritik an Deutschland laut. So klagte der stellvertretende Ministerpräsident Theodoros Pangalos, sein Land sei niemals für die Folgen der nationalsozialistischen Besatzung im Zweiten Weltkrieg entschädigt worden. Die Deutschen sollten sich deshalb mit Kritik an den Griechen besser zurückhalten.

"Sie haben das griechische Gold weggenommen, das bei der griechischen Zentralbank lag, sie haben das griechische Geld weggenommen und es nie zurückgezahlt", sagte Pangalos der BBC. Deutschland müsse das damals gestohlene Geld zwar nicht unbedingt zurückzahlen. Die Deutschen sollten sich aber ihrer Vergangenheit bewusst sein. "Und sie sollten sich nicht so sehr über Diebstahl und das nicht so genaue Einhalten von Wirtschaftsverträgen beschweren", sagte er.

"Wie kann Deutschland die Frechheit besitzen, uns wegen unserer Finanzen zu denunzieren, wenn es immer noch keine Entschädigung für die griechischen Opfer des Zweiten Weltkriegs gezahlt hat?", sagte unlängst Margaritis Tzimas von der größten Oppositionspartei, den Neuen Demokraten.

Die Bundesregierung wies die Vorwürfe zurück. Es gebe sehr wohl ein Wiedergutmachungsabkommen zwischen Deutschland und Griechenland aus dem Jahr 1960, erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin. Zudem habe Deutschland bei der wirtschaftlichen Integration Griechenlands in die Europäische Union Aufbauhilfe geleistet. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm bekräftigte, die Probleme Griechenlands könnten nur in Griechenland selbst gelöst werden. Von einem politischen Dissens zwischen beiden Ländern könne keine Rede sein.

Eine griechische Zeitung druckte am Mittwoch ein retuschiertes Foto der Siegessäule in Berlin. Darauf streckte die Statue der Siegesgöttin Victoria statt eines Lorbeerkranzes ein Hakenkreuz in die Luft. Im Kommentarteil warnte das Blatt vor "Finanznazitum in Europa". Jüngster Anlass für den Unmut der Griechen war das Titelbild der neuesten Ausgabe des Nachrichtenmagazins "Focus": Dieses zeigt eine griechische Statue, die den Mittelfinger hochstreckt. Daneben steht "Betrüger in der Euro-Familie".

manager magazin mit Material von reuters und dpa-afx

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