Freitag, 14. Dezember 2018

Euro-Krise "Deutsches Lohndumping sprengt die Währungsunion"

2. Teil: "Deutschland verletzt seit Jahren das Inflationsziel der EZB"

Auf diese Weise torpediere Deutschland die gemeinsame Geldpolitik, argumentiert Flassbeck. "Deutschland verletzt seit vielen Jahren das Inflationsziel der EZB. Die Teuerung soll pro Jahr nahe 2 Prozent liegen - und nicht weit unter 2 Prozent." Die Griechen mit einer durchschnittlichen Steigerung der Reallöhne um 1,9 Prozent jährlich seit dem Jahr 2000 lägen sogar im Rahmen, gäbe es nicht den harten innereuropäischen Wettbewerb.

EU-Mitglied Griechenland: Die jährliche Steigerung der Reallöhne läge im Rahmen - wären da nicht die äußerst maßvollen Deutschen
Innerhalb der Euro-Zone sei auch die "Nicht-Preis-Wettbewerbsfähigkeit" wichtig, bemerkt Heinen. Dazu zählten Faktoren wie das Gewicht der Industrie, der wissensintensiven Dienstleistungen, die Innovationskraft und wirtschaftliche Flexibilität eines Landes.

Der Effekt ist schwer messbar, doch auch hier ergibt sich das gewohnte Bild. Nach dem WEF Competitiveness Index liegt Deutschland mit Finnland und den Niederlanden in der Spitzengruppe der Euro-Länder. Abgehängt am Schluss: Griechenland, Italien, Portugal.

Das Ergebnis: Eine Geldpolitik, die gut für Deutschland ist, kann nicht gut für Spanien und Co. sein. Deshalb verlaufen auch im EZB-Rat die Fronten zwischen "Falken" und "Tauben" entlang nationaler Grenzen: Die Deutschen drängen auf hartes Geld und eine schnelle Rückkehr zu höheren Zinsen, doch das wäre Gift für die Konjunktur in Südeuropa.

Spart Deutschland die EU-Nachbarn kaputt?

Dieser Streit setzt Fliehkräfte in Gang. "Deutschland unterminiert durch Lohndumping das Inflationsziel der Währungsunion und steht nun als der absolute Gewinner da", wettert Unctad-Chefökonom Flassbeck. Wer wie Deutschland die Löhne so tief wie möglich halten wolle, dürfe nicht einer Währungsunion beitreten, die sich auf ein Inflationsziel von rund 2 Prozent geeinigt habe.

Oder man müsse sich eben mit allen anderen Mitgliedstaaten auf eine gemeinsame Lohnpolitik einigen. Anders gesagt: Ohne eine gemeinsame Finanz- und Wirtschaftspolitik droht der Währungsunion die Zerreißprobe.

Das Argument, dass die Tarifparteien in Deutschland durch maßvolle Lohnpolitik Arbeitsplätze erhalten, lässt Flassbeck nicht gelten: Deutschland sichere sich durch stagnierende Löhne zwar einen stolzen Überschuss in der Leistungsbilanz und zeitweise auch den Titel eines Exportweltmeisters. Doch der Preis dafür sei eine chronisch schwache Binnennachfrage, die den Arbeitsmarkt bremse.

Auch die EU-Kommission hat die Bundesregierung bereits mehrfach ermahnt, künftig mehr für die Ankurbelung des Binnenkonsums zu tun.

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