Mittwoch, 19. Dezember 2018

Heidelberger Druck Neuanfang statt Aussitzer-Crew

Die Heidelberger Druckmaschinen AG ist für die Zukunft schlecht gerüstet. Den Kurpfälzern fehlt der Zugang zum Digitaldruck. Die von Konzernchef Bernhard Schreier verfolgte Strategie des Schrumpfens ist auf die Dauer kein tragfähiges Konzept.

Aufatmen am Neckar. Der Maschinenbauer Heidelberger Druck hat offenkundig die Talsohle durchschritten. Die Auftragseingänge steigen wieder. Der operative Verlust hat sich halbiert. Der Aktienkurs steigt.

Heidelberger Druck: Konzernchef Schreier hat fast nur abgebaut, Sparten verkauft, Mitarbeiter entlassen und bei sinkenden Umsätzen das Unternehmen immer tiefer in die Krise geführt
Heidelberger Druckmaschinen AG
Heidelberger Druck: Konzernchef Schreier hat fast nur abgebaut, Sparten verkauft, Mitarbeiter entlassen und bei sinkenden Umsätzen das Unternehmen immer tiefer in die Krise geführt
Gleichwohl gibt es keine Verschnaufpause für die Heidelberger. Denn den leichten Aufwärtstrend haben die Druckmaschinenspezialisten vor allen Dingen der anziehenden Konjunktur in der wichtigen Region Asien/Pazifik zu verdanken. Seine Wettbewerbskraft hat der schwer angeschlagene Konzern nicht gestärkt. Ganz im Gegenteil: Die Heidelberger Druckmaschinen AG ist für die Zukunft schlecht gerüstet und droht - selbst wenn sich das wirtschaftliche Umfeld weltweit deutlich verbessern sollte - hinter die globale Konkurrenz zurück zu fallen.

Hauptgrund für das düstere Szenario: Den Kurpfälzern fehlt der Zugang zum Digitaldruck - eine Technologie, die nach Expertenschätzung in den nächsten Jahren bis zu 30 Prozent des weltweiten Druckmarktes erobern könnte. Ironischerweise waren es ausgerechnet die Heidelberger, die bereits Ende der 90er Jahre als einer der allerersten Firmen digitale Maschinen anboten. Damals indes war der Markt noch nicht reif für die neuen Verfahren. Der junge Geschäftszweig - noch unter Führung des ehemaligen Heidelberger-Druck-Chefs Hartmut Mehdorn aufgebaut - schrieb hohe Verluste. 2004 stieß Mehdorns Nachfolger Bernhard Schreier die Sparte wieder ab, fast zum Nulltarif.

Mittlerweile haben Wettbewerber wie Kodak oder Xerox den digitalen Druck weiterentwickelt und freuen sich über wachsende Bestellungen - zu Lasten der klassischen Druckverfahren. Schreier bleibt nun gar nichts anderes mehr übrig, als erneut in das Segment einzusteigen. Möglich ist dies nur über eine Partnerschaft mit einem der Konkurrenten. Für die Eigenentwicklung hat der hoch verschuldete Konzern, der nun schon im siebten Quartal in Folge Verluste schreibt, kein Geld.

Gefahren lauern aber auch noch in einem anderen Bereich: Chinesische Druckmaschinenhersteller drängen mit billigen Maschinen in einen Markt vor, der ohnehin unter Überkapazitäten leidet. Zwangsläufig gerät auch das angestammte Geschäft des deutschen Weltmarktführers - der Verkauf ebenso exzellenter wie teurer Bogendruckmaschinen - in die Klemme. So war die geplante Fusion von Heidelberger Druck mit dem deutschen Konkurrenten Manroland, die globale Nummer zwei, nur folgerichtig, ja geradezu überlebensnotwendig. Doch die Verhandlungen im vergangenen Jahr platzten kurz vor dem Abschluss. Heute ist völlig offen, wie Schreier der einstigen Ikone des deutschen Maschinenbaus wieder zu Glanz verhelfen will. Heidelberger Druck ist und bleibt ein Sanierungsfall, mit hohen Schulden und einer dünnen Kapitaldecke. Wesentliche Assets wurden bereits verscherbelt, der Spielraum für noch umfassendere Kostensenkungsmaßnahmen ist begrenzt.

Über zehn Jahre ist Schreier nun im Amt. Er hat in dieser Zeit fast nur abgebaut, Sparten verkauft, Mitarbeiter entlassen und bei sinkenden Umsätzen das Unternehmen immer tiefer in die Krise geführt. Aber Schrumpfen ist - so banal es klingt - auf die Dauer kein tragfähiges Konzept. Heidelberger Druck braucht endlich einen Neuanfang, innovative Ideen, mutige Schritte nach vorn. Die allerdings wird es mit der schon so lange amtierenden Aussitzer-Crew an der Konzernspitze nicht geben.

© manager magazin 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH