Freitag, 23. Februar 2018

Davos Keine Rettungsaktion für Griechenland

Die EU und das hoch verschuldete Griechenland haben am Freitag unisono einen Staatsbankrott des Landes ebenso ausgeschlossen wie eine Rettung durch die EU. Die Lösung bleibe ein strikter Sparkurs der Regierung in Athen.

Davos - "Solidarität ist möglich und wird es geben", sagte EU-Währungskommissar Joaquin Almunia Reuters-TV am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. Eine Rettung vor einer Pleite stehe nicht auf der Tagesordnung.

Griechische Zentralbank: "Aktuell kein Bedarf für Ausgabe neuer Anleihen"
Auch ein hochrangiger Vertreter der Euro-Zone sagte, es gebe keinerlei offizielle Beratungen oder Vorbereitungen, um Griechenland finanziell unter die Arme zu greifen. Die Strategie der Europäischen Union (EU) bleibe, die Regierung in Athen entschieden auf ihren Sparkurs einzunorden. Es könne aber informelle Gespräche von Regierungen einiger EU-Mitglieder geben, sagte der Vertreter weiter.

Deutschland und Frankreich wiesen Medienberichte über einen Hilfsplan für das südeuropäische Land zurück. Griechenland habe in der Vergangenheit sehr klar gemacht, dass es seiner Verantwortung gerecht werden wolle, sagte in Berlin der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans. "Deutschland verlässt sich darauf, dass Griechenland seine Ankündigungen umsetzt", sagte er. "Deshalb müssen wir über andere Maßnahmen auch nicht diskutieren.

Plan zum Schuldenabbau angemessen

Der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Michael Offer, ergänzte, der Plan der Griechen zum Abbau ihrer Schulden sei angemessen, es gebe keinen Grund zur Beunruhigung. Griechenland verhandele auch nicht mit europäischen Regierungen über Nothilfen. Die Bundesregierung sei zuversichtlich, dass sich die Märkte beruhigen würden.

Der griechische Ministerpräsident Giorgios Papandreou kündigte in Davos an, alles zur Verringerung des ausufernden Haushaltsdefizits und zur Wiederherstellung des Vertrauens zu tun. Griechenland konnte bereits am Montag etwas Boden bei den Investoren gutmachen, als es erfolgreich eine fünfjährige Anleihe im Volumen von acht Milliarden Euro am Markt platzierte.

Allerdings muss die Regierung in Athen dafür einen hohen Aufschlag zahlen. Im Februar ist eine weitere Ausgabe geplant.

Zinssatz bei 6,1 Prozent

Finanzminister Giorgos Papakonstantinou erklärte, Griechenland sehe sich kaum imstande, alle in diesem Jahr fällig werdenden Anleihen zu den gegenwärtigen Konditionen zu refinanzieren. Wenn dies nötig wäre, käme dies einer Katastrophe gleich, sagte er beim Weltwirtschaftsforums. Papakonstantinou betonte, Griechenland müsse bei der Ausgabe seiner nächsten Staatsanleihen sorgfältig auf den richtigen Zeitpunkt achten.

"Wir müssen sicherstellen, dass die Marktkonditionen gut sind, oder zumindest einen annehmbaren Kompromiss zwischen Finanzierungsbedarf und Marktkonditionen finden." Aktuell gebe es aber keinen Bedarf für die Ausgabe neuer Anleihen. Der Zinssatz des Papieres liegt nach Angaben der Regierung bei 6,1 Prozent. Seither haben die Kurse griechischer Staatsanleihen aber weiter nachgegeben, der Risikoaufschlag zu vergleichbaren deutschen Papieren stieg.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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