Donnerstag, 19. Oktober 2017

Sturman-Kolumne Banken vor neuer Regulierungswelle

Der Druck auf die Banken wächst, die für die Finanzkrise verantwortlich gemacht werden. Nicht nur Sondersteuern drohen ihnen. Jetzt haben US-Behörden auch begonnen, besonders umstrittene Finanzgeschäfte unter die Lupe zu nehmen. Das Ergebnis könnte die Banker schwerer treffen, als sie vielleicht selbst fürchten.

US-Präsident Obama hat letzte Woche eine Sondersteuer in Höhe von 90 Milliarden Dollar angekündigt, die die Steuergelder wieder zurückholen soll, die während der Finanzkrise benutzt wurden, um Banken und andere Unternehmen zu retten.

Mehr Transparenz: Für die Finanzkrise verantwortliche Banken werden künftig verstärkt überwacht
Gleichzeitig untersuchen US-amerikanische Regulierungsbehörden mehrere Banken, die unter Verdacht stehen, Investoren zum Kauf toxischer Hypothekenanleihen verführt zu haben. Doch jetzt wächst der Druck, der auf die Banken ausgeübt wird, die für die Finanzkrise verantwortlich sind, so richtig.

Sowohl die US-Finanzaufsichtsbehörde (Financial Industry Regulatory Authority, FINRA), die Händler überwacht, sowie die Securities and Exchange Commission (SEC), deren Überwachungsfunktion sich über Banken bis hin zu Investitionsberater zieht, haben endlich damit begonnen, die Emission von so genannten "künstlichen" oder synthetische CDOs (Collateralized Debt Obligations) zu untersuchen. Beide Regulierungsbehörden hatten zuvor bereits die Untersuchung der so genannten "echten" oder authentischen CDOs eröffnet.

Authentische CDOs sind verbriefte Schuldtitel, wie beispielsweise Hypotheken, die in Tranchen mit unterschiedlichem Anlagerisiko unterteilt wurden und an Investoren verkauft wurden, die aus den Schuldabzahlungen Kapital schlagen wollten.

Synthetische CDOs wurden seit Ende der 90er Jahre von Banken verkauft und sind im Gegensatz zu den authentischen CDOs keine Schultitelpakete, sondern Bündel von Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS). CDS' sind eine Art Versicherung, die gegen den Ausfall einer Schuld, wie zum Beispiel einer Immobilienhypothek, abgeschlossen werden. Die Käufer von CDOs erzielten ihre Gewinne durch die CDS-Prämienzahlungen. Gerieten jedoch die Werte, die durch die CDS gedeckt waren, in Verzug, war es an den Haltern der CDOs, für die Zahlungen aufzukommen.

Synthetische CDOs gelten als besonders schädlich, da die Verluste der Investoren durch diese zusätzliche Ebene für Spekulationen auf dem Immobilienmarkt vervielfacht wurden.

Synthetische CDOs wurden an Investoren verkauft, die aus den damals noch rasant steigenden Immobilienpreisen Kapital schlagen wollten, ohne selbst Hypotheken aufnehmen oder Immobilien kaufen zu müssen. Nach Angaben von Thomson Reuters wuchs der Markt an synthetischen CDOs weltweit von 10,3 Milliarden Dollar in 2002 auf 65,4 Milliarden Dollar in 2006 an, wobei sich Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen, die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen, Morgan Stanley Börsen-Chart zeigen, JP Morgan, BNP Paribas Börsen-Chart zeigen und die Royal Bank of Scotland Börsen-Chart zeigen unter den größten Emittenten solcher CDOs befanden.

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