Dienstag, 11. Dezember 2018

Schadensersatz Siemens-Aufseher einigen sich mit Pierer

Der Siemens-Aufsichtsrat hat sich mit den früheren Konzernchefs Heinrich von Pierer und Klaus Kleinfeld über Schadensersatzzahlungen für die Korruptionsaffäre geeinigt. Pierer zahlt fünf Millionen Euro und Kleinfeld zwei Millionen Euro an das Unternehmen. Insgesamt erhält der Konzern von neun ehemaligen Topmanagern rund 20 Millionen Euro Schadensersatz.

München - Pierer sowie fünf weitere Ex-Topmanager sind zu einem entsprechenden Vergleich bereit, wie Siemens Börsen-Chart zeigen am Mittwoch mitteilte. Demnach soll Pierer fünf Millionen Euro zahlen, Uriel Sharef vier Millionen, Jürgen Radomski und Johannes Feldmayer jeweils drei Millionen Euro, Kleinfeld zwei Millionen Euro und Ex-Aufsichtsratschef Karl Hermann Baumann eine Million Euro.

Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer: Einigung mit dem Unternehmen
Drei weitere Manager hatten sich mit dem Aufsichtsrat bereits vor einigen Monaten auf eine Zahlung von je einer halben Million Euro geeinigt, so dass die Gesamtsumme des Schadenersatzes vorläufig 19,5 Millionen Euro beträgt. Letztendlich sollen die Aktionäre auf der Hauptversammlung Anfang kommenden Jahres die Einigungen absegnen.

Mit zwei früheren Vorständen ist es Siemens zufolge allerdings zu keiner Übereinkunft gekommen. Der Ex-Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger und der ehemalige Chef der Telekommunikationssparte Thomas Ganswindt hätten nicht eingewilligt. Unternehmenskreisen zufolge sollen sie nun noch vor der Hauptversammlung verklagt werden.

Noch keine Einigung mit Neubürger und Ganswindt

"Schon im September diesen Jahres hatte der Aufsichtsrat der Siemens AG beschlossen, gegen frühere Organmitglieder, mit denen keine Einigung über einen Vergleichsvorschlag zur Vorlage an die Hauptversammlung im Januar 2010 erzielt wird, der Rechtslage entsprechend Klage zu erheben", teilte Siemens dazu mit.

Der frühere Konzernvorstand Günter Wilhelm bleibt zunächst von gerichtlichen Schritten verschont. Der Aufsichtsrat will erst den Abschluss der strafrechtlichen Ermittlungen gegen den Manager abwarten. Wilhelm steht im Verdacht, die Schmiergeldzahlungen an den früheren Chef der Arbeitnehmerorganisation AUB mit eingefädelt zu haben.

Mit der Einigung mit den meisten ehemaligen Topmanagern hat Siemens einen der letzten Schritte zur Bewältigung des größten Schmiergeldskandals der bundesdeutschen Wirtschaftsgeschichte vollzogen. Bei dem Münchener Konzern flossen zwischen 2000 und 2006 rund 1,3 Milliarden Euro in dunkle Kanäle. Das Geld soll in den Taschen von Regierungsmitarbeitern verschiedener Länder gelandet sein, die Siemens dafür bei der Vergabe von Aufträgen für U-Bahnen und Mobilfunksystemen bevorzugten. Für Aufarbeitung, Strafen und Steuernachzahlungen gab der Konzern gut 2,5 Milliarden Euro aus. Finanziell und strafrechtlich ist die Affäre für Siemens damit weitgehend abgehakt.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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