Freitag, 14. Dezember 2018

Kommentar Boss in Not

Die Boss-Zahlen haben die Börse enttäuscht. Die Lage ist noch weit bedrückender, als auf den ersten Blick erkennbar. Und Schuld hat eine Heuschrecke.

Am neuen Boss-Chef allein liegt's nicht. Claus-Dietrich Lahrs macht einen ordentlichen Job, auch wenn Umsatz und Gewinn fallen. Die neue Kollektion hat Qualität, die Strategie - mehr eigene Läden, mehr Umsatz in Asien und Amerika - ist sinnvoll. Und zum Sparkurs gibt es in Zeiten der Wirtschaftskrise ohnehin keine Alternative.

Gesprächsbedarf bei Hugo Boss: CEO Claus-Dietrich Lahrs macht einen ordentlichen Job - doch Haupteigner Permira hat dem Konzern immense Schulden aufgebürdet
Tatsächlich gefährdet wird Boss Börsen-Chart zeigen von der immensen Schuldenbelastung, die ihr der Haupteigner Permira aufgebürdet hat. Die einzige Mode-Weltmarke aus Deutschland droht ein weiteres von vielen Heuschrecken-Opfern zu werden.

Rund 3,5 Milliarden Euro bezahlte das Private-Equity-Unternehmen im boomenden Frühjahr 2007 für die Valentino-Fashion-Group, zu der neben Boss nur kleinere Marken wie Missono oder der italienische Edelschneider Valentino gehören. Wie damals üblich wurden mehr als zwei Drittel der Summe geliehen; Unicredit, Mediobanca und die Citibank gaben 2,5 Milliarden Euro.

Seitdem muss Boss fast alleine für Tilgung und Zins aufkommen, weil die restlichen Marken der Valentino-Fashion-Group eher Geld kosten als welches zu bringen.

Schon einmal, am Ende des zweiten Quartals 2009, hat Boss fast die Kreditbedingungen gerissen, weil Erträge und Cash-Flow schwach waren. Schon einmal gab es Gerüchte, einzelne Institute böten ihre Anteile an der Boss-Holding auf dem Markt an. Diese Unsicherheit dürfte nun Quartal für Quartal weitergehen. Denn schnelle Gewinnsteigerungen von Boss sind unwahrscheinlich; die Krise ist im Handel erst jetzt angekommen. Dieser Deal, das wird immer klarer, ist zu sehr auf Kante genäht.

Das geht auf die Substanz, weil notwendige Investitionen unterbleiben. Der Verursacher des Problems, Permira, könnte es auch lösen. Die Heuschrecke müsste - durchaus vorhandenes - Eigenkapital nachschießen und damit die Schuldenlast wieder erträglich gestalten.

Ansonsten wird aus Boss ein Bösschen.

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