Donnerstag, 19. Oktober 2017

Fall Rajaratnam Hedgefonds in heller Aufregung

Die Anklage gegen den Milliardär Raj Rajaratnam hat in der billionenschweren Hedgefondsindustrie für Aufregung gesorgt. Die These, es gäbe eine Grauzone zwischen aggressiver Informationsbeschaffung und Insiderhandel, trifft jedoch nicht zu.

Der Milliardär Raj Rajaratnam, Investor und Gründer des Hedgefonds Galleon Group, wurde vom US-Staatsanwalt in Manhattan, New York verhaftet und der vierfachen Verschwörung und des achtfachen Wertpapierbetruges angeklagt, was in der 1,5 Billionen Dollar schweren Hedgefondsindustrie für helle Aufregung gesorgt hat.

Hedgefondsmanager Raj Rajaratnam bei seiner Festnahme: Anklage auch wegen Verschwörung
Hinzu kam, dass auch die US-Börsenaufsichtsbehörde (SEC), der Regulator des Finanzsektors, Zivilklage erhoben hat. Rajaratnam wird vorgeworfen, die Grenzen der Legalität bei seiner Suche nach Informationen über die voraussichtliche Kursentwicklung bestimmter Unternehmen überschritten zu haben.

Zusammen mit Rajaratnam wurden Danielle Chiesi und Mark Kurland des Hedgefonds New Castle Partners sowie Mitglieder der Geschäftsführungen von International Business Machines Corp. (IBM), Intel Corp. (INTC) und McKinsey & Co. festgenommen als Teil eines Netzwerkes, das mit privaten, marktrelevanten Informationen über noch nicht veröffentlichte Finanzberichte und Akquirierungen handelte.

Die Untersuchung im Fall Galleon ist noch nicht abgeschlossen und Berichten zufolge planen Staatsanwälte, weitere 10 Verdächtigte festnehmen zu lassen.

Aggressive Methoden der Informationsbeschaffung

Der Fall wird noch interessanter werden. Nicht nur ist die Galleon Group in ernsthaften Schwierigkeiten, seit Investoren nach Rajaratnams Anklage über die Hälfte des Investitionskapitals abgezogen haben; zwei Geschichten ranken sich seither um die Firma.

Erstens wurde bekannt, dass der Hauptinformant der Regierung, die ehemalige Intel-Angestellte Rhoomy Khan, bereits früher für Insider-Handel bestraft wurde, als sie selbst Insider-Informationen über Intel an eben jenen Rajaratnam weitergegeben hat, der jetzt selbst unter Anklage steht. Hinzu kommt, dass eine Zivilklage von 30 Opfern der Tamil-Tiger gegen Rajaratnam eingereicht wurde aufgrund dessen finanzieller Unterstützung der Tamil Relief Organisation, die als Front für die im Jahr 1997 vom Finanzministerium der USA als Terrororganisation eingestuften Liberation Tigers of Tamil Eelam gilt.

Deborah Sturman
Die Rechtsanwältin vertritt institutionelle Investoren aus Europa in Aktionärsklagen und berät europäische Anleger im Rahmen des Legal Portfolio Management bei ihren finanziellen Engagements. Alle Kolumnen von Deborah Sturman finden Sie hier .
Die der Klage zugrundeliegenden Gründe betreffen die in hohem Grade aggressiven Methoden der Informationsbeschaffung, die ein wesentlicher Bestandteil der Strategien vieler Hedgefonds ausmacht.

Fondsmanager versuchen immer, einen Informationsvorsprung vor anderen Anlegern zu gewinnen. Sie und ihre Analysten überprüfen Informationskanäle, ziehen so viele Informationen wie möglich heraus und verwenden diese, um so die Kursentwicklung eines Unternehmens vorherzusagen. Das Ausfindigmachen von Informationen ist per se kein Insiderhandel, nicht-öffentliche Informationen einzuholen und diese anzuwenden jedoch schon.

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