Donnerstag, 21. Februar 2019

Pittsburgh G20 Die Politik, die Kontrolleure und das 500-fache Gehalt

Die G20-Staaten haben sich in Pittsburgh darauf geeinigt, dass die Vergütung von Führungskräften in Banken künftig einer stärkeren Kontrolle durch die Aufsichtsbehörden unterworfen sein soll. Abzuwarten bleibt, wie die nationalen Regierungen die Erklärung konkret umsetzen werden, schreibt Jan Hagen in einem Gastbeitrag.

Der entscheidende Anstoß zu dieser neuen Regulierung kam dabei aber nicht von den teilweise populistisch argumentierenden Regierungschefs in Europa und den USA, sondern vom Financial Stability Board, in dem die Notenbanken und Bankaufsichtsbehörden der großen Industrienationen zusammenarbeiten.

Jan U. Hagen ist Dozent and der ESMT European School of Management and Technology. Er leitet die Practice Group Financial Services bei ESMT Customized Solutions.
Bereits 2008 hat dieses Gremium im Draghi-Report die unangemessenen Vergütungssysteme bei Banken als ein wesentliches Element der sich zuspitzenden Finanzmarktkrise identifiziert und die G20-Regierungen zum Handeln aufgefordert. Die Absichtserklärung von Pittsburgh weist damit grundsätzlich in die richtige Richtung, auch wenn die eigentlich angebrachte grundlegende Überprüfung des Prinzips der leistungsorientierten Vergütung ausblieb.

Die aktuelle Diskussion über die variable Vergütung von Führungskräften konzentriert sich vor allem auf Banken, denn dort war das Missverhältnis zwischen variabler Vergütung einerseits und wirtschaftlichem Erfolg andererseits bei den spektakulären Schieflagen einzelner Institute besonders auffällig geworden. Oftmals standen die Höhe der Bezüge und der persönliche Erfolgsbeitrag in keinem Verhältnis zum geschäftlichen Erfolg, und "erfolgsabhängige" Boni wurden selbst bei massiven Verlusten gezahlt. Handlungsbedarf besteht hier übrigens nicht nur im Hinblick auf Banken, denn auch in anderen Branchen lassen sich Beispiele für eine fragwürdige Vergütung von Topmanagern finden - wie zuletzt im Fall von Arcandor Börsen-Chart zeigen.

Bei der erfolgsabhängigen Vergütung von Topführungskräften in Banken konzentriert sich die Diskussion auf die notwendige Symmetrie zwischen Vergütung und unternehmerischen Risiko. Die erfolgsbezogene variable Vergütung wird von Topmanagern gern mit dem hohen unternehmerischen Risiko und der fast immer gegebenen zeitlichen Befristung ihrer Verträge begründet. Bei einem Eigentümer geführten Unternehmen oder einem persönlich haftendem Bankier ist dieser Zusammenhang mit dem Verlust des persönlichen Vermögens im Insolvenzfall in der Tat gegeben.

Bei angestellten Managern ist das Risiko jedoch deutlich geringer, d.h. es ist begrenzt auf den Nicht-Erhalt vereinbarter erfolgsabhängiger Vergütungsbestandteile oder die Nicht-Verlängerung des Arbeitsvertrags - während im Erfolgsfall stattliche Prämien winken.

Die G20-Regierungschefs haben nun vereinbart, die Nachhaltigkeit des wirtschaftlichen Erfolgs als Maßstab für die Vergütung von Führungskräften zugrunde zu legen. Dies soll insbesondere durch eine Streckung der Boni-Berechnung über mehrere Jahre erreicht werden. Bei negativer wirtschaftlicher Entwicklung ist vorgesehen, dass ausbezahlte Boni zurückgefordert werden.

Ferner ist künftig die Gesamtrisiko- sowie die Eigenkapitalposition des jeweiligen Instituts explizit bei der Bemessung des jeweiligen Bonuspools zu berücksichtigen. Die neuen Regeln beseitigen damit zwar noch immer nicht vollständig die Asymmetrie von Erfolgs- und Verlustbeteiligung angestellter Manager, aber sie adressieren die erkannten Probleme und weisen grundsätzlich in die richtige Richtung.

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