Montag, 23. Juli 2018

Zwangsabfindung Staat bietet 1,30 Euro pro HRE-Aktie

Die angeschlagene Bank HRE soll vollständig in die Hand des Staates übergehen. Den verbliebenen Altaktionären will der staatliche Bankenrettungsfonds Soffin 1,30 pro Aktie zahlen - das ist deutlich unter dem Preis, der für das Papier zuletzt an der Börse gehandelt wurde.

München - Der staatliche Bankenrettungsfonds Soffin will den verbleibenden Aktionären der Hypo Real Estate Börsen-Chart zeigen 1,30 Euro je Titel zahlen. Das habe der Soffin am Freitag mitgeteilt, gab die Bank bekannt.

Rausgequetscht: Aktionäre der Hypo Real Estate sollen 1,30 Euro pro Papier bekommen
Der Soffin hält derzeit bereits 90 Prozent an der HRE und will die restlichen Aktionäre im Zuge eines so genannten Squeeze-outs aus dem Unternehmen drängen. Die dafür erforderliche Hauptversammlung ist für den 5. Oktober angesetzt. Die im MDax Börsen-Chart zeigen gelistete HRE-Aktie notierte zuletzt 4,6 Prozent im Minus bei 1,44 Euro.

Der Soffin bestätigte die Angaben der HRE. Die Höhe der Barabfindung entspreche dem durch die Bafin ermittelten durchschnittliche Börsenkurs im maßgeblichen Drei-Monats-Zeitraum vom 8. März 2009 bis zum 7. Juni 2009 - dem letzten Handelstag vor Bekanntgabe des Squeeze-out-Verlangens, hieß es in einer Mitteilung. Die Angemessenheit sei von der vom Landgericht München bestellten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bestätigt worden.

Hannes Rehm, Sprecher des Soffin-Leitungsausschusses, wird in der Mitteilung mit den Worten zitiert: "Die 100-prozentige Übernahme der HRE haben wir auch mit Blick auf die enttäuschten Aktionäre sorgfältig abgewogen. Sie ist erforderlich, um die begonnene Restrukturierung der Bank im allgemeinen öffentlichen Interesse zügig durchzuführen."

Auf der jüngsten Hauptversammlung der Bank hatte es wütende Proteste gegen das bereits geplante Verfahren gegeben. Die Aktionäre müssten die "giftige Suppe auslöffeln", die die alten Bankvorstände eingebrockt hätten, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Der aktuelle Vorstandschef des Immobilienfinanzierers, Axel Wieandt, hatte die umstrittene Verstaatlichung des Konzerns verteidigt. "Vorstand und Aufsichtsrat sind der Auffassung, dass es keine realistische Alternative zur Beteiligung des Bundes an der Bank gab und gibt", sagte bei der Hauptversammlung. Der Bund hatte die Verstaatlichung bei einer außerordentlichen Hauptversammlung im Juni gegen den Willen vieler Aktionäre auf den Weg gebracht und sich dafür massive Kritik eingehandelt.

Insgesamt erhielt die HRE bislang Nothilfen von mehr als 100 Milliarden Euro, um nicht zusammenzubrechen. Die mehr als fünf Milliarden Euro teure Übernahme des Staatsfinanzierers Depfa Börsen-Chart zeigen hatte die HRE im vergangenen Jahr an den Rand des Ruins gebracht, weil die Depfa langfristig vergebene Kredite infolge der Finanzkrise nicht mehr kurzfristig refinanzieren konnte.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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