Mittwoch, 19. Dezember 2018

Zwei Jahre Finanzkrise Wie die Welt aus den Fugen geriet

Zwei Jahre trennen uns nur vom Juni 2007, und doch ist ein Rückblick wie eine Zeitreise in eine Ära, als die Finanzkrise noch kaum wahrnehmbar war und alte Wachstumsträume blühten. Nach dem Kollaps zweier Hedgefonds von Bear Stearns war alles anders - und Bankchef James Cayne erlebte sein teuerstes Bridgeturnier.

New York, 29. Juni 2007. James Cayne bricht sein Schweigen. Der "New York Times" berichtet der Chef von Bear Stearns, einer der damals fünf großen Investmentbanken an der Wall Street, wie er das Fiasko zweier Hedgefonds aus seinem Haus sieht, das seit Tagen den Markt beschäftigt. 1,6 Milliarden Dollar Kredit will die Muttergesellschaft einem der Fonds gewähren, um dessen Kollaps zu verhindern. Der andere wird fallengelassen.

Ex-Bankmanager und Bridgeprofi Cayne: "Ich bin wütend"
"Ich bin wütend", gibt Cayne zu Protokoll. "Wenn man mit dem Ruf des strengsten Risikoprüfers herumläuft und der zerstört wird, muss man sich schlecht fühlen. Ich nehme das persönlich." Die "Times" findet tröstende Worte. "Bear Stearns und Mr. Cayne haben andere Krisen überlebt", kommentiert ihr Autor Thomas Landon. Er irrt, weil er mit den Augen des Juni 2007 auf die Ereignisse blickt. Es ist die heile Welt der immer größeren Deals. Nur ein paar Kostproben aus der Atmosphäre jener Tage um Caynes Offenbarung:

Im ersten Halbjahr 2007 wurden weltweit Fusionen und Übernahmen im Rekordwert von 2,4 Billionen Dollar vereinbart, meldet der Datensammler Thomson Financial. "Alle Bedingungen für Übernahmen sind nahezu perfekt", sagt Thomson-Vizepräsident David Bernard. Die Konjunktur laufe gut, geliehenes Geld sei billig, der Konsolidierungsdruck hoch. Um den bislang größten Deal, die Übernahme der niederländischen Großbank ABN Amro durch die Konkurrenten Royal Bank of Scotland Börsen-Chart zeigen, Fortis Börsen-Chart zeigen und Santander Börsen-Chart zeigen für 70 Milliarden Euro, wird zu der Zeit noch gerungen.

Am 22. Juni notieren Aktien des Finanzinvestors Blackstone Börsen-Chart zeigen erstmals an der New Yorker Börse. Mit einem Volumen von gut 400 Milliarden Dollar ist es der größte Börsengang an der Wall Street seit fünf Jahren.

Die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen hebt Ende Juni ihre Prognose für den Aktienmarkt an. Der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen, der noch knapp unter 8000 Punkten notiert, werde innerhalb eines Jahres auf 9000 Zähler steigen, sagt Klaus Martini voraus, damals Chefanlagestratege für das Privatkundengeschäft. Er empfehle nach wie vor risikoreiche Anlagen. Die Rally sei, anders als die vorangegangene Spekulationswelle am Neuen Markt, solide fundiert. "Diesmal ist wirklich alles anders", sagt Martini. Probleme einzelner Hedgefonds bedeuteten noch kein "starkes systemisches Risiko", weil die Banken die Risikokontrolle ausgeweitet hätten.

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