Freitag, 16. November 2018

Karstadt-Filialen Arcandor stellt Mietzahlungen ein

Neue Hiobsbotschaft vom wankenden Arcandor-Konzern: Die Unternehmenstochter Karstadt hat offenbar die Mietzahlungen für ihre Filialen eingestellt. Doch nicht nur die Warenhauskette gerät wegen zu hoher Mieten in Bedrängnis. Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff drohen wegen auffälliger Immobiliengeschäfte juristische Konsequenzen.

Berlin - Die finanzielle Situation des angeschlagenen Handels- und Touristikkonzerns Arcandor Börsen-Chart zeigen ist nach Medienberichten weitaus bedrohlicher als bisher bekannt. Wie das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL, die "Süddeutsche Zeitung" (SZ, Samstagausgabe) und die "Bild am Sonntag" (BamS, Vorabmeldung) meldeten, stellte das Unternehmen seine Mietzahlungen in dieser Woche ein.

Dies habe Vorstandschef Karl-Gerhard Eick beim Krisentreffen im Wirtschaftsministerium mit Vertretern von Gläubigerbanken, Aktionären und Immobilieneigentümern eingeräumt, berichtete die "SZ". Bei dem Treffen war über die Möglichkeit von Bürgschafts- und Kredithilfen aus dem Wirtschaftsfonds Deutschland für Arcandor gesprochen worden. Ein Unternehmenssprecher äußerte sich zu den Berichten nicht: "Das sind Details zu Geschäftsbeziehungen, die wir nicht kommentieren", sagte er am Samstag.

Gut 20 Millionen Euro muss Arcandor laut SPIEGEL für seine Filialen an jedem dritten Werktag einem Monats an ein Konsortium aus der Investmentbank Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen, der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen, der Immobiliensparte des italienischen Reifenherstellers Pirelli Börsen-Chart zeigen und der Generali-Versicherung Börsen-Chart zeigen überweisen. Weitere rund drei Millionen für fünf weitere Häuser an Oppenheim-Esch-Fonds. Das Geld kam am Freitag nicht an.

Arcandor braucht Geld, um zum 12. Juni auslaufende Kredite verlängern zu können. Die Karstadt-Mutter beantragte nun auch einen Rettungsbeihilfekredit über 437 Millionen Euro.

Ex-Arcandor-Chef Middelhoff (Februar 2009): Justizministerin "sehr beunruhigt"
DPA
Ex-Arcandor-Chef Middelhoff (Februar 2009): Justizministerin "sehr beunruhigt"
Im Zusammenhang mit zu hohen Mitzahlungen gerät unterdessen der ehemalige Arcandor-Chef Thomas Middelhoff in Bedrängnis. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL bat Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) am vergangenen Donnerstag in einem Brief ihre nordrhein-westfälische Ressortkollegin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU), die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen Middelhoff zu prüfen.

Nach Informationen des Blattes schreibt Zypries, sie sei "angesichts der laufenden Bemühungen um die Rettung der Arcandor AG sehr beunruhigt" über Presseberichte, die sich mit den "Immobiliengeschäften der Arcandor AG unter … Middelhoff" befassten. Dabei geht es um Beteiligungen Middelhoffs und seiner Ehefrau an Immobilienfonds, die Gebäude zu außergewöhnlich hohen Mieten an den zu Arcandor gehörenden Karstadt-Konzern verpachten.

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