Samstag, 17. November 2018

G20-Gipfel "Wir zahlen nicht für eure Krise"

Mehrere Zehntausend Menschen haben am Samstag in Deutschland und Großbritannien gegen die Verursacher der Finanzkrise und für eine gerechtere Weltwirtschaft demonstriert. Weitere Proteste sollen folgen, bis Ende kommender Woche der G20-Gipfel in London beginnt.

Berlin/London - Unter dem Motto "Wir zahlen nicht für eure Krise!" prangerten die Demonstranten in Berlin und Frankfurt die Milliardenhilfen der Regierungen für die Banken an. Zu den Protesten hatte ein Bündnis aus Globalisierungskritikern, antikapitalistischen Gruppen, Gewerkschaften und Parteien aufgerufen.

Ärger über Milliardenhilfen: In Berlin gingen rund 15.000 Menschen auf die Straße, in Frankfurt protestierten 14.000 Teilnehmer
In London zogen fünf Tage vor dem Gipfel der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer Tausende Demonstranten unter dem Motto "Stellt die Menschen an erste Stelle" durch das Regierungsviertel und die Innenstadt.

Während die Proteste in Frankfurt und London weitgehend friedlich verliefen, kam es in Berlin zu vereinzelten Ausschreitungen. Mehrere Personen wurden festgenommen.

In Berlin nahmen nach Angaben der Polizei 15.000 Menschen an der Demonstration teil, der Mitorganisator attac sprach hingegen von 30.000 Teilnehmern. Die Demonstranten prangerten auf ihren Transparenten den Kapitalismus an und trugen ihn symbolisch in einem mit roten Rosen geschmückten schwarzen Sarg zu Grabe. "Es war nicht alles schlecht im Kapitalismus" stand auf einem schwarzen Banner, das die Globalisierungskritiker vor dem Sarg hertrugen. Auf anderen Transparenten war zu lesen "Freihandel = Weltwirtschaftskrise" und "keine Spekulation mit Nahrung".

Kundgebung weitgehend friedlich

Nach Angaben eines Polizeisprechers verlief die Demonstration weitgehend friedlich. Jedoch hätten einzelne Demonstranten aus dem Protestzug heraus Steine und Flaschen auf die Polizei geworfen und Feuerwerkskörper gezündet. Die Täter seien festgenommen worden. Eine konkrete Zahl konnte der Sprecher zunächst nicht nennen. Zur Absicherung des Zuges hatte die Polizei rund 1000 Beamte im Einsatz.

In Frankfurt sprach die Polizei von bis zu 14.000 Teilnehmern, die friedlich protestiert hätten. Lediglich bei der Abschlusskundgebung auf dem Römer habe es einen Zwischenfall gegeben. Dort hätten Demonstranten den Schlussredner, Links-Parteichef Oskar Lafontaine, mit Eiern beworfen.

An der Demonstration in London, wo kommenden Donnerstag der G20-Gipfel stattfindet, nahmen nach Polizeiangaben bis zu 15.000 Menschen teil. Vor dem Amtsitz von Premierminister Brown johlte die Menge und stimmte Buh-Rufe an. Zudem skandierten die Demonstranten Parolen wie "Wir hassen die Banken". Andere verschafften sich mit Trillerpfeifen Gehör. Auf Transparenten war zu lesen "Menschen vor Profit", "Raus aus Irak und Afghanistan" sowie "Jobs, Gerechtigkeit, Klima".

"Dieser Sommer wird im Zeichen der Wut der Arbeiterklasse stehen", sagte ein 20-jähriger Demonstrant in London. In Großbritannien ist die Zahl der Arbeitslosen auf mehr als zwei Millionen gestiegen, während die Immobilienpreise binnen eines Jahres um elf Prozent gefallen und die Industrieproduktion so stark eingebrochen ist wie seit 1981 nicht mehr.

manager-magazin.de mit Material von reuters

© manager magazin 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH