Freitag, 16. November 2018

AWD/Swiss Life Maschmeyer, Ferres und die biederen Schweizer

Privat oder beruflich - Carsten Maschmeyer zieht derzeit klare Schnitte. Der AWD-Gründer und Großaktionär der Swiss Life wird in den Verwaltungsrat des Mutterkonzerns einziehen. Insider sagen, die Schweizer müssen sich warm anziehen und schließen nicht aus, dass der schillernde Manager in Zürich sogar nach der Macht greift.

Hamburg - Carsten Maschmeyer (49) hat schon so manchen Job in seinem filmreifen Leben gemacht. Als Jugendlicher klebt er Plakate oder schindet sich für 200 Mark pro Rennen als Tempomacher für Hochleistungsläufer, wie er einer Illustrierten erzählt hat. Doch die Rolle des Zuarbeiters und Wasserträgers für den Erfolg der anderen ist nicht sein Ding. Der uneheliche Sohn einer Sekretärin, der in bescheidenen Verhältnissen aufwächst, ist ehrgeizig, will den Erfolg und Wohlstand auch für sich. Beides hat er längst erreicht. Der AWD-Gründer und wohl schillerndste Vertreter des deutschen Finanzvertriebes könnte sich zur Ruhe setzen - irgendwo, mit seiner neuen Lebensgefährtin und Schauspielerin Veronica Ferres. Doch jetzt, so scheint es, startet er noch einmal durch.

Neue Wege: Privat hat Maschmeyer sein Leben neu geordnet. Seit gut einem Monat ist er nach 20 Jahren Ehe geschieden worden und zeigt sich seit geraumer Zeit mit seiner neuen Freundin, der Schauspielerin Veronica Ferres. Auch beruflich vollzieht er einen Schnitt. Der AWD-Gründer und Vorstandschef des Finanzvertriebes wird in den Verwaltungsrat der Konzernmutter Swiss Life einziehen.
Maschmeyer wird in den Verwaltungsrat des Mutterkonzerns Swiss Life einziehen und seinen Posten als AWD-Chef aufgeben. Weder AWD noch die Schweizer wollen die Personalie kommentieren. "Er wird den Job übernehmen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche", sagt ein Insider aus Kreisen der Swiss Life gegenüber manager-magazin.de. Das beredte Schweigen der Beteiligten darf indes nicht verwundern. Zwischen dem eigenwilligen Selfmademanager und der Swiss Life tobt seit knapp einem Jahr ein Machtkampf. Um so gespannter ist man in der Branche, wie die Schweizer ihre Entscheidung spätestens bis zum 7. Mai begründen werden. Dann nämlich - einen Tag vor Maschmeyers 50. Geburtstag - soll die Hauptversammlung die Personalie absegnen.

Rückblick: Bereits im Frühjahr 2005 beginnt Maschmeyer, sich von AWD-Anteilen zu trennen und baut sie in den Folgejahren weiter sukzessive ab. Größter Abnehmer ist der Schweizer Finanzdienstleister Swiss Life. In 2008 hat er sein Lebenswerk nahezu komplett verkauft. Im August halten die Schweizer bereits 97 Prozent an AWD. Maschmeyer bleibt Chef des Finanzvertriebs, denn Swiss Life ist klar: Ohne den begnadeten Verkäufer und Motivationskünstler läuft nichts.

Der AWD-Übervater lässt sich nicht dirigieren

Behutsam wollen die Eidgenossen den Finanzvertrieb von ihrem Übervater trennen. Doch der schmiedet andere Pläne, agiert in Hannover, als ob es keinen Großaktionär gebe. Ein ums andere Mal reizt er die Züricher mit unabgesprochenen Aktionen. Die setzen ihm mit Manfred Behrens als gleichberechtigten Co-CEO einen Wachhund an die Seite, der ihn bremsen und auch seine sich selbst inszenierenden, öffentlichkeitswirksamen Auftritte eindämmen soll. Denn die passen nun gar nicht so recht in das Bild eines konservativ-verschwiegenen und international agierenden Schweizer Finanzkonzerns.

Maschmeyer lässt sich davon nicht beeindrucken, macht mehr oder weniger weiter wie bisher und baut sogar seine Beteiligung an dem Schweizer Versicherer auf zuletzt 8 Prozent aus. Seinen Traum, irgendwann den weltgrößten Finanzvertrieb zu formen, hat er noch längst nicht ad acta gelegt. Im Gegenteil: Der Konflikt eskaliert, als Maschmeyer heimlich am Markt gut ein Viertel des MLP-Kapitals zusammenkauft und die Swiss Life erfolgreich dazu drängt, ihm die Papiere für 300 Millionen Euro abzunehmen.

In Wiesloch ist man keineswegs darüber amüsiert, fürchtet um den Ruf als unabhängiger Finanzdienstleister und begreift die Aktion als feindlichen Übernahmeversuch. Kurzerhand kippt der MLP-Vorstand die Produktpartnerschaft mit Swiss Life und findet in der Allianz, der Axa sowie britischen HBOS Verbündete für eine Kapitalerhöhung. Der Anteil der Schweizer sinkt damit unter die Sperrminorität von 25 Prozent. Die Opposition innerhalb des Konzerns gegen das teure MLP-Abenteuer wächst, die Swiss Life gerät ins Schlingern, die Finanzkrise greift die Kapitaldecke des Konzerns zusätzlich an, die Aktie schmiert gnadenlos ab. Angesichts einer auf rund 1,47 Milliarden Euro zusammengeschmolzenen Marktkapitalisierung gelten die Schweizer mittlerweile selbst als Übernahmekandidat.

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