Montag, 17. Dezember 2018

Bank, Banker, Bankrott "Bonus weg, Spaß weg"

Was treiben die Mächtigen der Finanzwelt? Wie sieht ihre Arbeit, wie ihr Leben aus? manager-magazin.de präsentiert Auszüge aus dem Buch "Bank, Banker, Bankrott", in dem Autor René Zeyer eine literarische Innenansicht der Branche liefert. Lesen Sie im dritten Teil, wie Gelddealer Philipp Kuster seinen Jahresbonus verliert.

Aber hallo, dachte Kuster, da ruft ja einer meiner Lieblingskunden an, Pete aus ..., na, schwer zu sagen, New York, London, Virgin Islands, Pete schien überall zu Hause zu sein. Aber diesmal rief er aus Hongkong an, wie er gleich am Anfang des Gesprächs verkündete.

René Zeyer, geboren 1955, arbeitete als Journalist und Reporter für diverse Zeitschriften, darunter "Wiener", "Stern", "Geo", "FAZ", "Das Magazin", "Schweizer Illustrierte" und war mehrere Jahre lang Auslandskorrespondent der "Neuen Zürcher Zeitung". Er ist langjähriger Berater für Kommunikation in der Finanzbranche. Sein Gastbeitrag ist ein Auszug des frisch erschienenen Buchs "Bank, Banker, Bankrott. Storys aus der Welt der Abzocker".
"Großartig", sagte Kuster aufgeräumt, "lassen Sie sich da ein paar Anzüge machen?" Eine kurze Pause am anderen Ende der Leitung, dann ein etwas Unwirsches: "Glauben Sie wirklich, um so etwas würde ich mich selbst kümmern? Also Sie haben manchmal Fragen."

Kuster biss sich auf die Unterlippe, das war kein besonders guter Anfang. Also ging er auf Nummer sicher: "Und was kann ich für Sie tun, Pete?" Kuster atmete auf, damit war er wieder auf stabilem Boden gelandet.

"Ich komme übermorgen nach Zürich, reservieren Sie mir wie üblich die Suite im Dolder, plus das übliche Besprechungszimmer, mein Assistent gibt Ihnen dann noch die Liste mit allen Details durch, okay?" Unter Details verstand Pete, welche Seife er im Bad vorzufinden wünschte, welches Mineralwasser von irgendeinem Ende der Welt auf genau zwölf Grad gekühlt bereitgehalten werden musste, welche Matratze man aufs Bett zu legen habe und noch ein Dutzend Kleinigkeiten mehr.

Das war auch gar kein Problem, man hätte für Pete auch einen neuen Teppich ausgelegt oder die Suite umgebaut, wenn er das gewünscht hätte, landete ja alles auf der fabulösen Rechnung am Schluss.

Aber es gab da ein Problem, doch Kuster glaubte, dass sich das bewältigen ließ: "Nun, Pete, das ist ein bisschen schwierig im Moment, wie wäre es denn mit dem Baur au Lac, dem Widder oder ...". "Was soll das?", unterbrach ihn Pete. "Sie wissen doch, dass ich immer im Dolder absteige, also verschwenden Sie hier nicht meine Zeit."

Kuster schluckte kurz, aber da musste er durch: "Nun, das Problem ist, dass das Dolder im Moment geschlossen ist." "Na und", sagte Pete, und man hörte seiner Stimme deutlich an, dass er wirklich nicht verstand, wie man mit solchen Peanuts seine Zeit verschwenden konnte, "dann lassen Sie es halt aufsperren und regeln Sie das mit meinem Assistenten."

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