Mittwoch, 17. Oktober 2018

Bank, Banker, Bankrott Der größte Bankraub aller Zeiten

2. Teil: Ein undurchsichtiger Taschenspielertrick

Die Antwort ist einfach: Gar nichts! Und schon gar nichts Neues. Am Anfang steht ein ebenso mittel- wie arbeitsloser Ami im Mittleren Westen der USA, und der möchte auch einmal auf großem Fuß leben. Zahllose Banken und Finanzinstitutionen ringen darum, ihm diesen Traum zu erfüllen. Bedingung: Er muss ein Haus auf sich eintragen lassen und den Kaufpreis von einer dieser "Banken", nennen wir sie Pleitebank, bezahlen lassen.

Was tun die Mächtigen der Finanzwelt den ganzen Tag? Verschrien als Verantwortliche für die Finanzkrise, genießen sie nicht den besten Ruf. René Zeyer liefert eine auf wahren Begebenheiten basierende, literarische Innenansicht der verschwiegenen Branche. Das Erstaunliche dabei: Die Vorurteile werden von der Realität noch übertroffen.

René Zeyer: "Bank, Banker, Bankrott. Storys aus der Welt der Abzocker"; Orell Füssli, Januar 2009, 192 Seiten, 19,90 Euro. Buch bestellen

Und versprechen, dass er dann irgendeines Tages mal einen Zins und das Darlehen zurückbezahlt, was kein Problem darstellen wird, als das Haus dannzumal ja das Doppelte wert sein werde und er dies aus dem Mehrwert bewerkstelligen könne und das Haus dann ihm alleine gehöre. Ein großartiges Versprechen, da kann eigentlich nichts schiefgehen.

Nun muss die Bank, die solch tolle Versprechungen macht, das entsprechende Geld von irgendwoher bekommen, im Banker-Talk: sich refinanzieren. Und da sie dies, basierend auf derartig windigen Darlehensnehmern, nicht bekommen kann, muss sie das Ganze "umpacken" respektive von Umpackspezialisten umpacken lassen. Sie hat aber noch einen anderen Grund, zu einer neuen Verpackung des unappetitlichen Happens zu schreiten: Die Boni ihrer Manager. Doch davon später. Diese Darlehen sind in ihrer neuen Verpackung nicht mehr als faule Kredite erkennbar und können im Gegenteil als "Finanz-Hightechprodukte" den gierigen Abnehmern angedreht werden; je fauler, desto mehr Hightech.

Dass die hochdotierten Spezialisten der Rating-Agenturen dazu nicht nur ihren Segen gaben, sondern sogar Höchstnoten verteilten, gibt einen ersten Hinweis darauf, dass es hier um mehr geht als Dummheit oder Gerissenheit.

Am Schluss hat man die seit Tausenden von Jahren einfachste Transaktion - Kreditgewährung gegen Zinsen und die durch Sicherheiten gewährleistete Rückzahlung des Kredites - in einen komplexen, völlig undurchsichtigen Taschenspielertrick umgewandelt und als Resultat des neuen "Financial Engineering" verkauft und das im Betrag von Tausenden von Milliarden von Dollars.

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