Samstag, 24. Februar 2018

Mister-X-Kolumne Das Kartell des Schweigens

Die Gewinnchance schien verlockend, doch plötzlich platzt der Traum vom großen Geld. Schlimmer noch, das ganze Investment ist weg. Und immer wieder stellt sich die Öffentlichkeit die gleiche Frage: Wie können Bernard Madoff und andere Betrüger über viele Jahre immer mehr Opfer finden, ohne dass es jemand merkt?

Wenn sich am Schluss wirklich herausstellen sollte, dass Bernard Madoff 50 Milliarden Dollar ergaunert hat, dann hat er mit dieser Schadenssumme zwar weltweit einen Spitzenplatz. Aber zwei- und dreistellige Millionenbeträge haben seine deutschen Kollegen in den vergangenen Jahren schon auch in ihre Taschen gesteckt, man denke nur an die Göttinger Gruppe. Ihre führenden Köpfe haben mehr als 100.000 Sparer sogar um über eine Milliarde Euro erleichtert.

Martin W. Brock ist ein Pseudonym. Brock arbeitete mehrere Jahre als verdeckter Ermittler der Polizei im Bereich organisierte Kriminalität und Wirtschaftsstraftaten. Um seine Person zu schützen, verzichtet manager-magazin.de darauf, seinen echten Namen, der der Redaktion bekannt ist, zu nennen. Heute schreibt er Kriminalromane mit Bezug zu realen Verbrechen.
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Martin W. Brock ist ein Pseudonym. Brock arbeitete mehrere Jahre als verdeckter Ermittler der Polizei im Bereich organisierte Kriminalität und Wirtschaftsstraftaten. Um seine Person zu schützen, verzichtet manager-magazin.de darauf, seinen echten Namen, der der Redaktion bekannt ist, zu nennen. Heute schreibt er Kriminalromane mit Bezug zu realen Verbrechen.
Und immer wieder stellt sich die Öffentlichkeit die gleiche Frage: Wie konnten diese Betrüger über viele Jahre immer mehr Opfer finden, ohne dass es jemand gemerkt hat? Ein Blick auf die Frage, wer es denn hätte bemerken können, oder vielleicht sogar müssen, kann uns hier weiterhelfen.

Wie sieht es mit ehemaligen Mitarbeitern der Betrugsfirmen aus, besonders mit denen, die im Zorn ausgeschieden sind? Schlecht, um es kurz zu machen. Sie werden sich hüten, an die Öffentlichkeit zu gehen, haben sie doch selbst ordentlich mitverdient und können nur verlieren, wenn der Staatsanwalt sich der Sache annimmt. Die meisten von ihnen zieht es ohnehin nur zu einer anderen Firma gleicher Machart.

Die willfährigen Vermittler

Dann treffen wir auf die vielen Vermittler, ohne die kein Schneeballsystem funktioniert: Sie schaffen die große Zahl zahlungswilliger Opfer heran, und sie sind auch die Ersten, für die es eng wird, denn die geprellten Anleger stehen als Erstes bei ihnen vor der Tür.

"Gehen Sie davon aus, dass spätestens nach einem Jahr so gut wie jeder Vermittler weiß, dass die Sache nicht sauber ist", sagt Robert K., ehemaliger Mitarbeiter einer Betrugsfirma, der mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe davongekommen ist. "Denn dann geht es meistens los, dass es die ersten Probleme bei der Auszahlung von Kundengeldern gibt. Doch jetzt sind die Vermittler schon heiß geworden, haben Tausende Euro an Provision kassiert, und sie wissen, wenn sie weiter Kunden bringen, kann es noch lange gut laufen. Wenn sie dagegen die Sache auffliegen lassen, wird es für sie und ihre Familie ungemütlich." Also auch hier findet sich niemand, der motiviert ist, dem Treiben ein Ende zu setzen.

"Gehen Sie davon aus, dass spätestens nach einem Jahr so gut wie jeder Vermittler weiß, dass die Sache nicht sauber ist."

Robert K., ehemaliger Mitarbeiter einer Betrugsfirma

Aber die Kunden, bei denen die versprochene Auszahlung ausbleibt, die gehen doch sicher zur Polizei, mag man meinen. Klingt im ersten Moment logisch, unterschätzt aber die strategischen Fähigkeiten gewiefter Betrüger. Professionelle Kapitalsammler legen für jeden Kunden ein genaues Dossier an. Gerne hören sie verstohlene Hinweise des Anlegers auf unversteuertes Geld, das man gerne diskret anlegt. Wenn so ein Kunde eines Tages ausgeschöpft erscheint und nicht mehr willig, noch mehr Kapital anzulegen, dann wird es ernst. Dann kann ihn nur noch retten, dass er einen potenten Freundeskreis hat und die Betrüger sich von dort noch ein paar Opfer erhoffen.

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