Freitag, 22. März 2019

Offene Gesellschaft Haste mal 'ne Autobahn?

Die Manager sind auf dem besten Weg, sich selbst zu Almosenempfängern zu degradieren. Je weiter die Krise fortschreitet, desto stärker verkommen die stolzen Marktverfechter von einst zu einem Häuflein von Bittstellern, das seine ganze Energie darauf verlegt, dem Staat möglichst viel Stütze aus dem Kreuz zu leiern.

Was macht eigentlich der gute alte Sozialhilfeadel? Wir erinnern uns: Vor vier, fünf Jahren schwärmten Deutschlands Journalisten zuhauf in die Problemviertel. In Essen-Katernberg, Berlin-Neukölln oder Hamburg-Mümmelmansberg stießen die beflissenen Reporter angeblich zuhauf auf die Angehörigen eines seltsamen aristokratischen Geschlechts: Familien, die bereits seit Generationen von Stütze leben, jeden Anreiz zur Arbeit verloren hatten und stattdessen all ihre Energie darauf verwendeten, möglichst viel Staatsknete zu kassieren.

Sozialhilfeadel 2.0: Je weiter die Krise fortschreitet, desto stärker degenerieren Manager sich selbst zu Bittstellern
Vor fünf Jahren lieferten diese Kolportagen aus der Unterschicht das Futter für bestimmte politische Forderungen: Der Staat dürfe den Sozialhilfeadel nicht mehr einfach alimentieren, die Menschen müssten endlich gezielt gefördert und gefordert werden, keine Leistung mehr ohne Gegenleistung, und so weiter und so fort. Inzwischen ist es ruhig geworden um den Sozialhilfeadel.

Wahrscheinlich werden seine gar nicht so zahlreichen Angehörigen noch immer ungestört ihr Dasein fristen in Deutschlands Problemvierteln, und noch immer kümmert sich keine Behörde ernsthaft darum, irgendjemanden zu fordern, zu fördern oder sonst wie aus der staatlichen Alimentierung herauszuholen.

Bald dürfte für die Sozialreporter von einst wieder die Zeit zum Ausschwärmen gekommen sein. Wieder gilt es aufzuzeigen, wie sich ein Milieu am Rande unserer Gesellschaft immer stärker von staatlichen Wohltaten abhängig macht. Bis es sich schließlich so an die öffentliche Alimentierung gewöhnt hat, dass alle Anreize zu einem eigenverantwortlichen Leben erlöschen. Und diesmal können die Reporter das vertraute Phänomen in sehr viel angenehmeren Stadtteilen recherchieren: in Hamburg-Harvestehude, in München-Grünwald, im Frankfurter Bankenviertel.

Mehr zum Thema in: manager magazin 2/2009

Die 50 Mächtigsten
Mit atemberaubendem Tempo verteilt die Krise die Macht im Lande neu. Vor allem der Staat gewinnt rasant an Einfluss. Lesen Sie die Titelgeschichte im neuen manager magazin, Heft 2/2009, ab Seite 54.

Die Rede ist von den deutschen Managern. In Windeseile sind wir gerade dabei, uns diese Gruppe zum Sozialhilfeadel 2.0 umzuerziehen. Je weiter die Krise fortschreitet, desto stärker degenerieren die stolzen Marktverfechter von einst zu einem Häuflein von Bittstellern, das seine ganze Energie darauf verleget, dem Staat möglichst viel Stütze aus dem Kreuz zu leiern.

Mit erheblichen Erfolg, wie die Mitte Januar beschlossene Verschrottungsprämie für Altautos zeigt. Ein schöner Triumpf der deutschen Autolobby über die Prinzipien von Wettbewerb und Eigenverantwortung. Die Baubranche wiederum erhält ihre Almosen in Form von üppigen Infrastrukturprogrammen, obwohl es in Deutschland bereits mehr und bessere Straßen gibt als in irgendeinem anderen europäischen Land (wo ist eigentlich der ethische Unterschied zum Sozialhilfeempfänger früherer Zeiten, der beim Sozialamt ständig neue Anträge für Waschmaschinen stellt, um mit den Dingen dann einen schwunghaften Secondhand-Handel zu betreiben?).

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