Dienstag, 11. Dezember 2018

Deutsche Bank/Postbank Übernahme in drei Akten

Die Deutsche Bank übernimmt die Postbank zu neuen Bedingungen. Die Post bekommt die Erlöse früher als bisher geplant, dafür steigt sie zeitweilig bei der Deutschen Bank ein. Indirekt ist damit der Bund am Institut von Josef Ackermann beteiligt. Doch der stellt sich unbeirrt als Sieger dar - trotz eines Quartalsverlusts von knapp fünf Milliarden Euro.

Bonn/Frankfurt am Main - Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen und Deutsche Post Börsen-Chart zeigen haben sich angesichts der Finanzkrise auf neue Konditionen für den Verkauf der Post-Tochter Postbank Börsen-Chart zeigen geeinigt. Die Deutsche Bank kann dadurch ihre Eigenkapitalquote über 10 Prozent halten, die Post kommt "schneller und mit weniger Risiko aus dem Bankgeschäft", wie beide Konzerne am Mittwoch mitteilten.

Auf die Frage, warum nicht schon im September die angeblich für beide Seiten vorteilhaften Bedingungen vereinbart wurden, antwortete Post-Chef Frank Appel in einer Telefonkonferenz, damals sei der Postbank-Verkauf "unter Zeitdruck" ausgehandelt worden. Jetzt habe die Deutsche Bank eine Neuverhandlung des Vertrags angeregt. Bei den Nachverhandlungen habe es auch "keinerlei politische Einflussnahme" gegeben, betonte er. Analysten bezweifeln allerdings, ob die Deutsche Bank den Einstieg bei der Postbank zu den alten Bedingungen noch hätte stemmen können.

Der Deal soll nun in drei Schritten ablaufen:

  • Noch im Januar werde die Deutsche Bank 50 Millionen eigene Aktien gegen ebenso viele Papiere der Postbank - das entspricht rund 22,9 Prozent - voraussichtlich im Rahmen einer Sachkapitalerhöhung im Wert von 1,1 Milliarden Euro erwerben. In der Folge werde die Post rund 8 Prozent am Grundkapital der Deutschen Bank halten. Die Post könne die Deutsche-Bank-Aktien von April an marktschonend veräußern. Zu diesem Zweck werde es legale Maßnahmen zur Kurspflege geben. Die Post habe nicht vor, dauerhaft an der Deutschen Bank oder überhaupt am Bankgeschäft beteiligt zu sein. Daher könne auch von einer "Teilverstaatlichung" der Bank keine Rede sein, sagte Appel. Der Bund ist über die staatliche Förderbank KfW noch mit rund 30 Prozent an der Post beteiligt.
  • Zugleich zeichnet das Frankfurter Institut eine Pflichtumtauschanleihe der Deutschen Post, die nach Ablauf von drei Jahren zu 4 Prozent Zinsen in rund 27,4 Prozent der Aktien der Postbank getauscht werden soll. Bis dahin, so Bankchef Josef Ackermann, könne die Deutsche Bank entscheiden, ob sie die Mehrheit der Postbank übernehmen will oder nicht - die im ersten Schritt erworbenen Aktien könnten ja jederzeit weiter verkauft werden.
  • Für die verbliebenen Anteilsscheine bestünden weiterhin Kauf- und Verkaufsoptionen. Appel gab den maximalen Erlös für die 12,1 Prozent mit 1,1 Milliarden Euro an. Es gebe Kurssicherungsgeschäfte, auf deren Einzelheiten er jedoch nicht eingehen wolle.

Die Deutsche Post Börsen-Chart zeigen erhalte bis Ende Februar liquide Mittel von 3,8 Milliarden Euro. 3,1 Milliarden Euro davon seien bereits zum 2. Januar aufgrund der alten Vereinbarung an den Bonner Konzern geflossen. Der Barwert der Transaktion entspreche bis zu 4,9 Milliarden Euro, teilten die beteiligten Parteien am Mittwoch weiter mit.

Kreuzbeziehung: Deutsche Bank und Post sind sich über die Postbank einig
Sollte die Postbank, die für 2008 ebenso wie die Deutsche Bank einen hohen Verlust erwartet und zugleich eine dünne Kapitaldecke aufweist, in den kommenden drei Jahren eine Kapitalerhöhung brauchen, wären beide Parteien zu je einem knappen Drittel gefordert. Ackermann sicherte sich zugleich für den Fall ab, dass die Postbank den staatlichen Rettungsfonds Soffin um Hilfe bittet.

Das sei eine Entscheidung des Postbank-Vorstands, sagte Ackermann. "Sie sind eine andere Bank, wir sind nur Aktionäre." Er erneuerte zugleich seine Beteuerung, die Deutsche Bank sei nicht auf Staatshilfe angewiesen. "Wir sehen uns selbst als die einzige verbliebene große Investmentbank weltweit, an der weder Staatsfonds noch die Steuerzahler beteiligt sind", tönte er.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH