Mittwoch, 1. Juli 2015

Lyondell Basell Chemieriese erwägt Flucht in Insolvenz

Der weltweit drittgrößte Petrochemiekonzern Lyondell Basell erwägt im Ringen um seine Kredite die Flucht in die Insolvenz. Das hoch verschuldete Unternehmen gehört zur Investmentfirma des russischen Investors Len Blawatnik. Kommt es zu einem Verfahren nach Chapter 11, wäre dies eine der größten jüngeren Firmenpleiten in den USA.

Griff nach dem Strohalm: Trinkhalme aus Polypropylen gehören zum Portfolio von Lyondell Basell. Der Konzern ächzt unter einer Schuldenlast in Milliardenhöhe, die durch aggressive Übernahmen aufgehäuft worden ist
BASF
Griff nach dem Strohalm: Trinkhalme aus Polypropylen gehören zum Portfolio von Lyondell Basell. Der Konzern ächzt unter einer Schuldenlast in Milliardenhöhe, die durch aggressive Übernahmen aufgehäuft worden ist
New York - "Wir wollen unsere Schulden neu strukturieren und loten alle unsere Optionen aus. Dazu gehört auch ein Antrag nach Chapter 11 (des US-Insolvenzrechts)", sagte eine Sprecherin von Lyondell Basell. Der Konzern habe Berater engagiert, darunter Evercore und die auf Sanierungen spezialisierte Alix Partners.

Kommt es tatsächlich zu einem kontrollierten Insolvenzverfahren nach US-Recht, wäre dies eine der größten Firmenpleiten der jüngsten Zeit in den USA.

In der Finanzkrise fällt es weltweit Konzernen inzwischen deutlich schwerer, große Umschuldungen mit ihren Gläubigerbanken auszuhandeln. Lyondell Basell ächzt unter Milliardenschulden, die es durch kreditfinanzierte Zukäufe angehäuft hatte.

Nach Angaben der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) liegt die Schuldenlast bei 26 Milliarden Dollar.

26 Milliarden Dollar Schulden

Lyondell Basell ist Teil der niederländischen Investmentfirma Firma Access Industries, die dem russischstämmigen Investor Len Blawatnik gehört. Blawatnik ist auch an Air Berlin Börsen-Chart zeigen beteiligt.

Lyondell Basell war vor einem Jahr entstanden, als das 2005 an Access verkaufte Kunststoff-Joint Venture von BASF Börsen-Chart zeigen und Shell Börsen-Chart zeigen, Basell, die US-Firma Lyondell aus Houston für 12,7 Milliarden Dollar kaufte.

Produktion gedrosselt

Das Unternehmen leidet unter der nachlassenden Nachfrage nach Petrochemikalien und hat seine Produktion gedrosselt. Lyondell Basell stellt unter anderem die Massenkunststoffe Polyethylen und Polypropylen her und hat zwei Ölraffinerien in Houston und in Frankreich. In Deutschland betreibt LyondellBasell einen großen Chemiekomplex in Wesseling bei Köln.

Zuletzt kam der Konzern, dessen Zentrale in Rotterdam liegt, mit rund 16.000 Beschäftigten auf einen Umsatz von 54,6 Milliarden Dollar.

Schon vor dem Jahreswechsel hatte LyondellBasell gegenüber der US-Börsenaufsicht SEC erklärt, über einen Zahlungsaufschub für 160 Millionen Dollar an Gebühren für Kredite zu verhandeln. Zwei Tochterfirmen erklärten an Silvester, die Gläubiger hätten die Gebühren sowie 121 Millionen Dollar Zinsen bis zum Sonntag (4. Januar) gestundet. Auch der britische Chemiekonzern Ineos hatte unlängst wegen des Konjunktureinbruchs Neuverhandlungen seiner Kredite unternommen.

Stimmung im Chemiesektor gedrückt

Aktien des deutschen Chemieriesen BASF Börsen-Chart zeigen haben am Freitag nur unterdurchschnittliche 0,43 Prozent auf 27,85 Euro zugelegt. Händler verwiesen auf den Bericht als Belastung, dass der Petrochemiekonzern LyondellBasell wegen einer stockenden Refinanzierung ein Antrag auf Gläubigerschutz erwägt.

Einem Händler zufolge drückt dies auf die Stimmung im Chemiesektor, da dieser offenbar nicht gegen die Finanzkrise resistent sei.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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