Sonntag, 25. Februar 2018

Bulthaupt-Kolumne Krisengewinner USA

Die Finanzmarktkrise hat die Weltwirtschaft in eine Rezession gestürzt. Der Bankensektor ist mit sich selbst beschäftigt. Vieles spricht dafür, dass die US-Wirtschaft trotz ihrer immensen Probleme eher als andere Industrieländer den Turnaround schafft. Einen merklichen Beitrag dazu liefert die Federal Reserve, die den US-Kapitalmarkt mit einem Bypass versorgt und die Selbstheilungsprozesse der Wirtschaft stützt.

Deutschland, der Euro-Raum sowie die USA sind gegenwärtig durch einen Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Produktion geeint. Der Ausblick für die nächsten Quartale bleibt tiefrot.

  Frank Bulthaupt,  Professor für Kapitalmärkte und Volkswirtschaftslehre an der Sparkassen-Hochschule in Bonn, schreibt regelmäßig für manager-magazin.de
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Frank Bulthaupt, Professor für Kapitalmärkte und Volkswirtschaftslehre an der Sparkassen-Hochschule in Bonn, schreibt regelmäßig für manager-magazin.de
Dabei scheint die deutsche Volkswirtschaft im internationalen Vergleich robust aufgestellt zu sein: Die höhere Sparquote (rund 12 Prozent, im Vergleich USA: 2,5 Prozent) liefert gute Bedingungen, um den Rückgang des privaten Konsums abzufedern. In die gleiche Richtung wirkt der um 50 Prozentpunkte geringere Verschuldungsgrad der privaten Haushalte hierzulande. Ebenso entfallen die Belastungsfaktoren des Häusermarkts.

Institutionelle Krise behindert Konjunkturbelebung in 2009

Allerdings ist die deutsche Volkswirtschaft im transatlantischen Vergleich in besonderem Maße durch eine institutionelle Krise geschwächt. Dabei liegt das Hauptproblem nicht im Platzen einer Assetblase mit ihren Preiskorrekturen bei risikobehafteten Papieren und den daraus resultierenden Vermögenseffekten. Schwerer wiegt, dass das geschwundene Vertrauen innerhalb des Finanzsystems (Banken, Verbriefungsindustrie, Ratingagenturen) die Kreditmarktmechanismen nachhaltig geschädigt hat.

Die Folgen dieses kulturellen Schocks werden auf dem Interbankenmarkt durch den Spread zwischen Dreimonats-Euribor und Eoniaswap (hinter Letzterem steht Tauschgeschäft von Zinszahlungen, ohne dass dem Geschäftspartner ein Kredit gewährt wird) sichtbar. Dieser Pulsmesser fasst die Risiko- und die Liquiditätsprämie im Bankengeschäft zusammen. Er ruhte vor der Subprimekrise auf einem Niveau zwischen 5 und 10 Basispunkten; die Schieflage eines Geschäftspartners galt als undenkbar.

Gegenwärtig flimmert dieser Spread auf einem Krisenniveau von über 120 Basispunkten, begleitet von einem Einbruch der Handelsvolumina am Geldmarkt. Die Liquiditätsbereitstellung zwischen den Banken, einem zentralen Pfeiler im Kreditvergabeprozess, verläuft zurückhaltend und zäh. Es gibt keine Anzeichen, dass sich diese Situation, die ihre historischen Parallelen sucht, im Jahr 2009 grundlegend beruhigt.

Diese institutionelle Krise im Bankensektor behindert aus gesamtwirtschaftlicher Sicht die Lenkung von Kapital in seine produktivsten Verwendungen, mit anderen Worten sie belastet Handelsaktivitäten in der Privatwirtschaft, behindert die Umsetzung unternehmerischer Aktivitäten zur Bewältigung der Krise und infolgedessen die Eigendynamik eines zyklischen Erholungsprozesses. Vor diesem Hintergrund bleibt der deutschen Wirtschaft das Warten - nicht auf Samuel Becketts Godot, aber auf eine weltwirtschaftliche Erholung, die den Exportmotor wieder ankurbelt und den Aufschwung einleitet.

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