Samstag, 17. November 2018

Horst Köhler "Nigeria ist gar nicht so weit weg"

Das Monster ließ Horst Köhler am Freitag in Berlin. Auf einer Bankentagung in Frankfurt forderte er die Finanzelite diesmal auf, zu den Grundstandards einer Zivilgesellschaft zurückzufinden. Das Verhalten der Branche habe sich zuletzt nicht mehr von dem in korrupten Staaten der Dritten Welt unterschieden, mahnte der Bundespräsident.

Frankfurt am Main - Investmentbanker bleibt Investmentbanker - während Josef Ackermann zusammen mit Commerzbank-Primus Martin Blessing an diesem Morgen im Foyer der Alten Oper auf Bundespräsident Horst Köhler wartet, geht der Blick des Deutsche-Bank-Chefs immer wieder Richtung Empore.

Dort hängen zwei Flachbildschirme, die im Sekundentakt Nachrichten und Börsenkurse ausspucken: Die Citigroup Börsen-Chart zeigen stellt sich eventuell zum Verkauf, Ford Börsen-Chart zeigen wurde auf "Ramschstatus" abgestuft, und da der Präsident sich etwas verspätet, auch noch die Dax-Eröffnung Börsen-Chart zeigen - plus 0,5 Prozent, man freut sich in diesen Zeiten ja schon über Kleinigkeiten.

Diese Zeiten, die passend zum anrollenden Wintereinbruch derzeit nicht zuletzt am Bankenplatz Frankfurt ziemlich eisig daherkommen, sind dann auch das Thema der Rede des Bundespräsidenten auf dem diesjährigen European Banking Congress.

Gleich vorneweg, das Wort Monster wird das Staatsoberhaupt diesmal nicht verwenden. Seine Aussagen sind deswegen aber nicht weniger eindringlich. Ganz im Gegenteil. Denn es ist nicht weniger als Anstand, Demut und Bescheidenheit, die Horst Köhler von der versammelten Finanzelite verlangt, also Charaktereigenschaften, die in zivilisierten Gesellschaften eigentlich selbstverständlich sein sollten.

"Was verdirbt eine Gesellschaft?", fragt Köhler und liefert die Antwort gleich hinterher. Es sei das gerissene "Band zwischen Oben und Unten", wie er es auch bei seinem jüngsten Besuch im von Korruption zerrütteten Nigeria beobachtet habe. "Nigeria ist gar nicht so weit weg", legt der Bundespräsident nach.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH