Samstag, 16. Februar 2019

OECD Einkommensschere schließt sich wieder

Nach der Jahrtausendwende hat sich die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland drastisch vergrößert. Besonders sind laut einer OECD-Studie Kinder betroffen. Der 2006 einsetzende Aufschwung hat den Trend jedoch gestoppt.

Berlin - Arm und Reich driften in Deutschland nach einer Studie der OECD besonders stark auseinander. Die Einkommensunterschiede und der Anteil der Armen wuchsen von der Jahrtausendwende bis 2005 schneller als in den anderen 29 OECD-Ländern. Das Armutsrisiko nahm besonders für Kinder rasant zu, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Studie "Mehr Ungleichheit trotz Wachstum?" hervorgeht.

Aussichtslose Lage: Kinder in sozialen Brennpunkten bekommen die soziale Spaltung oft am stärksten zu spüren
Als Konsequenz fordert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) höhere Investitionen in Bildung und stärkere Anreize für Arbeitslose zur Aufnahme eines Jobs. 2005 lebten 11 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze, 2000 waren es nur 9,2 Prozent. Ihnen stand weniger als die Hälfte des mittleren Einkommens zur Verfügung.

Damit liegt die Armutsquote inzwischen über dem OECD-Durchschnitt. Anfang der 90er Jahre lag sie noch um rund ein Viertel darunter. "Arbeitslosigkeit ist in Deutschland das größte Armutsrisiko", sagte OECD-Experte Michael Förster zu Reuters.

Besonders betroffen von Armut sind Kinder. Die Armutsquote stieg hier seit 1985 von 11 auf 16 Prozent und damit fünfmal so schnell wie im OECD-Durchschnitt. Bei Kindern von Alleinerziehenden weist Deutschland nach Japan, Irland, den USA, Kanada und Polen die höchste Armutsquote auf. "Weil Kinderbetreuungsplätze fehlen, können viele Alleinerziehende nicht arbeiten", sagte Förster.

Dagegen blieb die Armutsrate älterer Menschen mit rund 9 Prozent stabil, während sie im OECD-Durchschnitt 13 Prozent beträgt. Den wachsenden Niedriglohnsektor macht die Organisation für das Auseinandergehen der Einkommensschere mitverantwortlich. Aber auch durch den immer größer werdenden Anteil der Haushalte von Singles und Alleinerziehenden nimmt das Armutsrisiko zu: Sie benötigen ein höheres Pro-Kopf-Einkommen für den gleichen Lebensstandard, weil sie Belastungen wie die Miete nicht auf mehrere Schultern verteilen können.

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