Samstag, 17. November 2018

Krisenticker Dow Jones kollabiert zum Handelsschluss

Bis 20 Minuten vor der Schlussglocke hatte der Dow noch 100 Punkte im Plus notiert und die Hoffnung gestärkt, dass die Zinssenkungen ihre Wirkung entfalten. Doch dann setzte eine neue Verkaufswelle ein - der US-Leitindex verlor binnen 20 Minuten 300 Punkte und schloss erneut tief im Minus. Dem Dax droht nun ein weiterer Schlag.

22.55 Uhr: Sechs Handelstage in Folge hat der Dow Jones nun nachgegeben. Und es droht weiterer Gegenwind: Ab Donnerstag sollen an der Wall Street die umstrittenen Börsenwetten auf fallende Kurse bei Finanzwerten wieder erlaubt sein. Die Verbotsfrist von drei Wochen läuft, anders als in Europa, morgen aus.

22.05 Uhr: Handelsschluss an der New Yorker Wall Street. Der Dow schließt knapp 200 Punkte (2,0 Prozent) im Minus bei 9258 Punkten, obwohl er bis kurz vor der Schlussauktion noch im grünen Bereich notierte. Doch wie so oft in den vergangenen Tagen setzte in den letzten Handelsminuten eine breite Verkaufswelle ein, die alle noch verbliebenen Optimisten überrollte. "Take the money and run" lautet derzeit die Devise an der Wall Street - sie zeigt gleichzeitig die Ohnmacht der Zentralbanken während der aktuellen Krise.

Auch der Technologieindex Nasdaq Composite, bis 21.45 Uhr noch mehr als 2 Prozent im Plus, beendet den Handelstag mit einem Verlust von 0,8 Prozent. Die kurze Erholung wurde von zahlreichen Anlegern zum Ausstieg genutzt. Investoren schichten ihr verbliebenes Geld in vermeintlich sichere Häfen um.

21.55 Uhr: Das ist bitter. Im späten Handel hatte sich der US-Leitindex Dow Jones aus der Talsohle herausgekämpft und hielt bis 20 Minuten vor Handelsschluss einen Gewinn von rund 100 Punkten - doch jetzt geht es erneut steil nach unten. Binnen 15 Minuten verliert der Leitindex 250 Zähler.

21.30 Uhr: Hoffnungsschimmer: 30 Minuten vor Handelsschluss in New York notiert der Dow Jones noch 112 Punkte (1,2 Prozent) im Plus bei 9550 Punkten, der Technologieindex Nasdaq Composite gewinnt 2,5 Prozent. Beide Indizes hatten zeitweise deutlich im Minus notiert und Mehrjahrestiefs getestet, der Dow war bis auf 9208 Zähler abgesackt.

Eine Stabilisierung am heutigen Tag ist ungeheuer wichtig, da die EZB, die Bank of England und die Fed parallel die Leitzinsen um jeweils 50 Basispunkte gesenkt haben: Halten Dow und Nasdaq ihre Gewinne, besteht die Hoffnung, dass sich die Situation zumindest ein wenig stabilisiert. Experten streiten darüber, ob dieser letzte Schuss der US-Notenbank die Panik an den Märkten noch stoppen kann.

Blick zur Wall Street: Am Abend ziehen die Aktienindizes deutlich an.
20.00 Uhr: Die Weltgewerkschaftsbünde fordern angesichts der Finanzkrise das Eingreifen der G7-Staaten, um einen Einbruch der Realwirtschaft zu verhindern. In einem offenen Brief an das G7-Finanzministertreffen am Freitag in Washington forderten sie, über abgestimmte Zinssenkungen hinaus zu gehen. Die Regierungen sollten Programme für Infrastrukturinvestitionen, aber auch direkte Steuer- und Ausgabenprogramme auf den Weg bringen, forderten die Chefs der Gewerkschaftsbünde ITUC, ETUC und TUAC am Mittwochabend in Paris.

19.39 Uhr: Die von der Finanzkrise gebeutelte US-Großbank Citigroup Börsen-Chart zeigen treibt ihre Umstrukturierung voran: Das Institut verkauft ihre indische Verwaltungssparte für rund 505 Millionen Dollar an die einheimische Tata Consultancy Services (TCS). Ferner will sich das Unternehmen von 8000 externen Hypothekenmaklern trennen.

19.25 Uhr: Die Aktienindizes an der New Yorker Börse berappeln sich. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen notiert am Abend leicht im Minus, nachdem er zwischenzeitlich sogar ins Plus gedreht war. Der Technologieindex Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen pendelt um seinen Vortagesschluss bei 1755 Punkten.

18.40 Uhr: Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sieht bislang keinen Bedarf für staatliche Übernahmen in Deutschland nach dem Vorbild Großbritanniens. Der deutsche Bankensektor sei bislang zwar schlimm genug, aber weniger stark von der Finanzkrise betroffen, sagte Steinbrück in einem Interview mit dem "Handelsblatt" (Donmnerstagausgabe). "Das kann sich aber ändern, weil die Unsicherheiten über die weitere Entwicklung derzeit viel zu hoch sind", fügte Steinbrück hinzu.

18.15 Uhr: An der New Yorker Wall Street bauen die führenden Aktienindizes ihre Verluste weiter aus. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen rutscht um 2,50 Prozent auf 9215 Zähler ab. Der Technologie-Index Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen verliert 2,30 Prozent auf 1715 Punkte.

17.35 Uhr: Der Dax Börsen-Chart zeigen beendet den Xetra-Handel am Mittwoch mit Verlusten von 5,9 Prozent oder 313 Punkten auf 5013 Zähler. Die Wirkung der Zinssenkungen der wichtigsten Notenbanken weltweit ist damit verpufft. In New York notieren die Indizes zum Handelsschluss in Deutschland ebenfalls im tiefroten Bereich.

17.23 Uhr: Das Mainzer Solarunternehmen Schott Solar sagt seinen Börsengang ab. Die Emission werde auf unbestimmte Zeit verschoben, sagte ein Sprecher am Mittwoch. Das Umfeld sei "umwerfend schlecht". Dies sei zu Beginn des Prozesses für den Börsengang nicht absehbar gewesen. Ursprünglich sollte der Börsengang an diesem Donnerstag (9. Oktober) über die Bühne gehen.

"Umwerfend schlechtes Umfeld": Schott Solar sagt seinen Börsengang ab. Bleibt in diesem Jahr nur noch die Bahn als IPO-Kandidat.
Damit verbleibt in diesem Jahr nur noch die Deutsche Bahn als Börsenkandidat. Wegen der Finanzkrise machen sich aber immer mehr Politiker für eine Verschiebung des Bahn-Börsengangs stark. Die Grünen riefen Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, den geplanten Börsenstart am 27. Oktober zu stoppen. Die Verkehrsminister der Länder sprachen sich ebenfalls für eine Verschiebung aus.

17.15 Uhr: Die Bundesregierung wird offenbar ihre Erwartung an das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr deutlich zurücknehmen. Die Prognose werde voraussichtlich unter 0,5 Prozent liegen, sagten mehrere mit den Überlegungen vertraute Personen am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Bisher war die Regierung von einem Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes um 1,2 Prozent ausgegangen. Offiziell wird die neue Regierungsprognose am 16. Oktober veröffentlicht.

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