Montag, 19. Februar 2018

Krisenticker Bernanke deutet Zinssenkung an

Die britische Regierung kündigt ein Rettungspaket für Großbanken an. Der Internationale Währungsfonds stockt seine Schätzung der Krisenverluste auf. Selbst Saudi-Arabien fürchtet eine Austrocknung des Geldmarkts. Lesen Sie im Krisenticker von manager-magazin.de die wichtigsten Ereignisse des Tages nach.

22.30 Uhr: Der kanadische Premierminister Stephen Harper weist Forderungen nach einem Rettungsprogramm zurück. Er setze darauf, die Menschen zu beruhigen und seinen Kurs für niedrigere Steuern und stabilen Geldwert fortzusetzen. "Wenn wir Kurs halten, stehen wir das durch", sagt er auf einem Wahlkampfauftritt. Das kanadische Finanzsystem sei solide, die Regierung müsse den Banken nicht helfen. Am 14. Oktober wird das kanadische Parlament neu gewählt. Der Konservative Harper hat seit der Eskalation der Krise in Meinungsumfragen einen komfortablen Vorsprung auf die liberale Opposition verloren.

22.00 Uhr: Der New Yorker Aktienmarkt schließt abermals mit deutlichen Kursverlusten. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notiert zum Handelsschluss mit einem Minus von 5,1 Prozent bei 9447 Punkten - ein weiterer Verlust von 508 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index schließt 5,7 Prozent tiefer bei 996 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verliert 5,8 Prozent und geht mit 1754 Punkten aus dem Handel.

21.15 Uhr: In den USA sind die Verbraucherkredite im August überraschend erstmals seit mehr als zehn Jahren gesunken. Sie seien um 7,9 Milliarden Dollar zum Vormonat gefallen, teilte die US-Notenbank in Washington mit. Volkswirte hatten hingegen mit einem Anstieg um 5,5 Milliarden Dollar gerechnet.

Britischer Finanzminister Darling: "Das Bankensystem langfristig auf eine solide Grundlage stellen"
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Britischer Finanzminister Darling: "Das Bankensystem langfristig auf eine solide Grundlage stellen"
20.45 Uhr: Der britische Finanzminister Alistair Darling kündigt ein Rettungspaket für die Banken des Landes an. Er werde vor Börseneröffnung am Mittwoch Einzelheiten mitteilen, sagte Darling am Dienstagabend nach einem Krisentreffen in der Downing Street mit Premierminister Gordon Brown, dem Notenbankchef Mervyn King und dem Vorsitzenden der Finanzaufsichtsbehörde, Adair Turner. Es gehe darum, "das Bankensystem langfristig auf eine gesunde Grundlage zu stellen", sagte Darling der britischen BBC.

Nach BBC-Informationen soll zunächst eine sofortige Finanzspritze in Höhe von etwa 50 Milliarden Pfund (64,2 Milliarden Euro) zur Stabilisierung des Bankensystems beitragen. Außerdem sollen die größten Banken des Landes Zugriff auf einen Beistandsfonds haben, um den normalen Ablauf ihrer Tagesgeschäfte zu sichern. Die britische Regierung war in den letzten Tagen immer mehr unter Druck geraten nachdem die Aktien britischer Großbanken stark an Wert eingebüßt hatten.

20.20 Uhr: Die USA stehen nach den Worten von US-Präsident George W. Bush vor wirtschaftlich schwierigen Zeiten. "Keine Frage, es sind harte Zeiten, aber wir werden da auch wieder herauskommen", sagte Bush am Dienstag in Chantilly (US-Bundesstaat Virginia). Die USA hätten schon oft unter Wirtschaftskrisen gelitten und jedes Mal seien diese auch wieder überwunden worden. "Die amerikanische Wirtschaft ist die dynamischste der Welt", betonte Bush. Er warnte davor, in diesen Zeiten Steuern zu erhöhen.

Die US-Arbeitnehmer fürchteten nun um ihre Arbeitsplätze, Familien um ihre Häuser, die Geschäftsleute spürten die Krise der Kreditwirtschaft, sagte Bush. Er mahnte erneut um Geduld im Bemühen um eine Lösung der Finanzkrise. Es werde eine Zeitlang dauern, bis das am Freitag in Kraft getretene Rettungsprogramm für die Banken Wirkung zeige. Das Gesetz sei aber ein "großer Schritt zur Lösung des Problems". Der Kongress hatte am Freitag ein 700 Milliarden Dollar schweres Paket verabschiedet, mit dem die Regierung Banken faule Hypothekenkredite abkaufen will, um den praktisch eingefrorenen Kreditfluss wieder in Gang setzen.

20.05 Uhr: Belgiens Ministerpräsident Yves Leterme wirbt bei den Dexia-Sparern um Vertrauen für die angeschlagene Hypothekenbank. Es gebe keinen Grund dafür, die Konten zu räumen, sagte Leterme am Dienstag dem Fernsehsender RTL. "Dexia ist eine gesunde Bank." Zugleich sicherte er der Bank erneut die Unterstützung der belgischen Regierung zu. Die Regierung in Brüssel, Frankreich und Luxemburg hatten dem Immobilienfinanzierer wegen der Bankenkrise vergangene Woche mit einer Kapitalspritze ausgeholfen.

Die Dexia-Aktien fielen am Dienstag auf ihren tiefsten Stand in der Geschichte. Anleger sorgten sich um das Fortbestehen der Bank. Dexia ist als größter weltweiter Finanzierer von Immobilienkrediten für Kommunen Hauptrivale der Depfa, die mit Fehlspekulationen am US-Hypothekenmarkt ihren Mutterkonzern Hypo Real Estate an den Rande des Abgrunds brachte.

19.15 Uhr: Die US-Notenbank Federal Reserve signalisiert ihre Bereitschaft zu einer Zinssenkung. Die Fed müsse angesichts der Entwicklung prüfen, ob die gegenwärtige Haltung der Geldpolitik noch angemessen sei, erklärt Notenbankchef Ben Bernanke.

Die Turbulenzen an den Finanzmärkten und Konjunkturdaten signalisierten, dass sich der Ausblick für die US-Wirtschaft verschlechtert habe, fügt er hinzu. Gleichzeitig habe das Inflationsrisiko abgenommen. Börsianer sind mittlerweile fest davon überzeugt, dass die Notenbank spätestens bei ihrer Sitzung am Monatsende die Zinsen senkt.

18.40 Uhr: Die Finanzkrise trifft nach Einschätzung der Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, das "Herz des internationalen Finanzsystems". Angesichts der Kreditkrise müsse "das gesamte Finanzsystem überholt werden", sagte Trichet am Dienstag im französischen Evian. "Wir sind an einem Punkt angelangt wo wir alles tun, was wir tun können."

Es gebe einen großen internationalen Konsens für die Notwendigkeit einer höheren Markttransparenz, sagte Trichet. Die Abwesenheit von Transparenz sei der wichtigste Grund für Ansteckungsgefahren und Ungleichgewichte. Viele Marktteilnehmer seien zu kurzfristig ausgerichtet.

18.25 Uhr: Bundesfinanzminister Peer Steinbrück bestätigt, dass der Deutsche-Bank-Manager Axel Wieandt neuer Chef der vor dem Aus geretteten Münchener Hypo Real Estate Börsen-Chart zeigen werden soll. Er werde den zurückgetretenen Georg Funke ablösen, sagte Steinbrück laut Bundestagspressestelle am Dienstag vor dem Haushaltsausschuss.

Steinbrück kündigte an, der gesamte Vorstand des Münchener Immobilienfinanzierers werde ausgetauscht - mit Ausnahme eines "sehr tüchtigen" weiblichen Mitglieds. Der neue Vorstand werde sich dann vor allem aus Vertretern der Deutschen Bank und der Commerzbank zusammensetzen. Auch an der Spitze des Aufsichtsrates erwarte er einen Wechsel, sagte Steinbrück vor dem Ausschuss. Chefkontrolleur der HRE ist Kurt Viermetz, der sich auch an der Spitze des Aufsichtsrates der Deutschen Börse mit Rückzugsforderungen konfrontiert sieht.

18.20 Uhr: Spanien erhöht aufgrund der internationalen Finanzkrise die Garantiesumme für Sparguthaben auf bis zu 100.000 Euro. Dies kündigte Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero am Dienstag in Madrid an. Bislang war der spanische Staat im Fall des Zusammenbruchs einer Bank für Einlagen von bis zu einer Summe von 20.000 Euro pro Sparer eingestanden. "Mit der Aufstockung dieser Summe können die spanischen Bürger darauf vertrauen, dass ihre Ersparnisse sicher sind", sagte der Regierungschef.

Zapatero kündigte zudem die Schaffung eines Fonds an, der den spanischen Banken neue Finanzmittel zuführen soll. Der Fonds solle 30 Milliarden Euro umfassen und auf 50 Milliarden Euro aufgestockt werden können. Die Mittel sollten dazu verwendet werden, den Banken Aktiva abzukaufen, damit die Geldinstitute die Unternehmen und Bürger wieder mit Krediten versorgen könnten.

"Dieser neue Fonds wird in Einklang mit den Wettbewerbsregeln der Europäischen Union stehen", sagte der Regierungschef. Er bedeute keine Subvention von Banken. "Mit dem Geld sollen qualitativ hochwertige Aktiva zu Marktpreisen gekauft und keine faulen Darlehen übernommen werden."

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