Freitag, 14. Dezember 2018

Zinsen Häuslebauer sollen für KfW-Fehler zahlen

Kurz nachdem die KfW mehr als 300 Millionen Euro an die insolvente US-Bank Lehman Brothers überwiesen hatte, erhöhte sie die Zinsen für ihre Förderkredite ungewöhnlich stark. Zufall? Tatsächlich hat die Bank ihre Konditionen auch vorher schon angezogen. Experten sehen einen Zusammenhang mit den Problemen bei der IKB.

Hamburg - Die "Bild" hat entschieden: Die KfW ist "Deutschlands dümmste Bank". Noch am Tag der Pleite von Lehman Brothers Börsen-Chart zeigen vor zwei Wochen überwies das staatliche Förderinstitut mehr als 300 Millionen Euro an die amerikanische Investmentbank. Ganz Deutschland lachte über die - O-Ton "Bild" - "Dumm Banker" in der Chefetage.

"Schlechter geworden": Die KfW in Frankfurt am Main
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"Schlechter geworden": Die KfW in Frankfurt am Main
Vielen Häuslebauern dürfte das Lachen inzwischen jedoch vergehen. Der Grund: Die KfW hat ihre Zinskonditionen unmittelbar nach der Lehman-Panne deutlich erhöht. Der effektive Zins für das Wohneigentumsprogramm 20/3/10 (20 Jahre Laufzeit, drei Jahre Tilgungsfreiheit, zehn Jahre Zinsbindung) etwa betrug nach Angaben des Finanzberaters FMH noch am Freitag, den 12. September dieses Jahres, 5,09 Prozent. Am 23. September, rund eine Woche nach dem Fall Lehman (Montag, 15. September) also, lag der Zins bei 5,41 Prozent.

Zum Vergleich: Der durchschnittliche Hypothekenzins für Darlehen mit zehnjähriger Laufzeit stieg laut FMH im gleichen Zeitraum ebenfalls - aber nur von 5,09 auf 5,25 Prozent (inzwischen ist das Zinsniveau wieder etwas zurückgegangen). Die KfW hat ihre Konditionen also ziemlich genau doppelt so stark angezogen, wie der Gesamtmarkt.

"Der jüngste Anstieg der KfW ist etwas stark ausgefallen", kommentiert FMH-Chef Max Herbst. Zudem hat die KfW den generellen Zinsanstieg im fraglichen Zeitraum laut Herbst ungewöhnlich schnell nachvollzogen. "Früher hat die Bank damit länger gewartet", sagt der Experte.

Damit aber nicht genug: Experten beobachten schon seit längerem eine Verschlechterung der KfW-Konditionen im Vergleich zum Gesamtmarkt. Und nicht nur das Wohneigentumsprogramm ist davon betroffen, auch die KfW-40- und KfW-60-Darlehen, mit denen das Institut energiesparende Bauweise belohnen will, werden den Fachleuten zufolge immer unattraktiver.

"Die Zinskonditionen der KfW sind im vergangenen Jahr deutlich schlechter geworden", sagt etwa Christian Schmid-Burgk, Baufinanzierungsexperte von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Früher war die KfW besser als die meisten Banken und Sparkassen, lediglich einige Direktbanken konnten die Konditionen toppen. Das ist heute in der Regel nicht mehr so."

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