Sonntag, 24. März 2019

KfW Polit-Pöstchen und Millionenpannen

2. Teil: Aufseher Lafontaine kein "Hellseher"

KfW wirft Lehman Millionen hinterher

Schröder soll in Ruhe die Frankfurter Bankengruppe wieder auf ihr Fördergeschäft konzentrieren. Doch der neue KfW-Chef hat kaum sein Büro eingerichtet, da bricht der "schwarze Montag" herein. Der KfW-Computer überweist eine Millionensumme nach New York, obwohl die Spatzen die nahende Insolvenz der Wall-Street-Legende längst von den Dächern pfeifen. Die KfW macht sich zum Gespött der Nation.

Spitzenpolitiker im KfW-Verwaltungsrat: Umweltminister Sigmar Gabriel
Erneut versagt das Risikomanagement. Inzwischen dämmert es den Politikern, dass es bei der KfW so nicht weitergeht. Christine Scheel, die für die Grünen im Verwaltungsrat sitzt, meint: "Es darf nicht sein, dass nur die Köpfe rollen, sondern es müssen auch strukturelle Veränderungen stattfinden."

So sieht es auch der CDU-Haushaltsexperte Steffen Kampeter. "Es ist ein Mythos, dass öffentlich besser ist als privat. Deshalb müssen wir handeln." Die Staatsbank müsse von der privaten Bankenaufsicht BaFin und nicht mehr vom Finanzminister überwacht werden. Das fordern auch Bundesrechnungshof und FDP seit Jahren.

Aufseher Lafontaine: "Hellseher gibt es nicht"

Kampeter sagt an Steinbrücks Adresse, die Politiker dürfen jetzt nicht nur auf die Banken schimpfen, sondern müssen sich auch an die eigene Nase fassen. "In den Wahlkreisen will jeder von uns wissen, warum wir so blöd waren, dass zehn Milliarden Euro verbrannt worden sind."

Oskar Lafontaine taucht übrigens am Freitagmorgen wieder auf - im Radio. Der am Vorabend vermisste KfW-Kontrolleur gibt SPD und Union die Schuld für die teure IKB-Rettung.

Nach seiner Verantwortung als Aufseher bei der Lehman-Panne gefragt, wiegelt der Linksfraktionschef ab: "Propheten und Hellseher gibt es im Verwaltungsrat nicht."

Von Tim Braune, dpa

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