Dienstag, 18. Dezember 2018

Kommentar Die deutsche Lösung

2. Teil: Die Investmentbanker müssen bluten

Die Investmentbanker müssen bluten

Zunächst allerdings stehen dem neuen Duo und deren Beschäftigten harte Einschnitte bevor: Zwei Verwaltungsapparate müssen zu einem zusammengelegt werden - rund 9000 Arbeitsplätze stehen zur Disposition. Neben den Überschneidungen im Backoffice dürften vor allem die Angestellten der gemeinsam rund 1800 Filialen bangen. Es bedarf keiner Fantasie, um vorherzusehen was passiert, wenn in einer Straße jeweils eine Filiale der Dresdner Bank und der Commerzbank angesiedelt ist.

Besonders bluten müssen die rund 3000 Investmentbanker der Dresdner Kleinwort. Die Londoner Großverdiener haben in der Finanzkrise tiefrote Zahlen in die Bilanzen der Dresdner Bank gerissen, ihr Mutterhaus erst in diese missliche Lage gebracht. Die Commerzbank hingegen hat nach dem gescheiterten Größenwahn ihres einstigen Investmentbankers Mehmet Dalmann längst die Lust an der Königsdisziplin verloren. So hält sich die Sympathie in Grenzen.

Wäre es aus Sicht der Beschäftigten - und vielleicht sogar der Aktionäre - dann also tatsächlich besser gewesen, die Dresdner Bank an den zweiten Bieter, die China Development Bank (CDB) zu verkaufen? Immerhin haben die Chinesen angeblich ein um mehrere hundert Millionen höheres Angebot abgegeben, wollten "bar" zahlen, alle Arbeitsplätze und Filialen garantieren sowie der Allianz beim Vertrieb ihrer Versicherungen in China politisch helfen.

Ein klares Nein. Zum einen wäre ein weiteres Herzstück der deutschen Bankenlandschaft in ausländische Hände geraten, nach der Hypovereinsbank (an die italienische Unicredit Börsen-Chart zeigen), ein Teil der Hypo Real Estate (an den US-Investor Flowers) oder der IKB Börsen-Chart zeigen (an den amerikanischen Finanzinvestor Lonestar).

Zum anderen haben die Chinesen nie auch nur andeutungsweise veröffentlicht, was genau sie denn mit der Dresdner Bank vorhaben, warum sie kaufen wollen. Eine solche Geheimnistuerei darf nicht belohnt werden. Und wie skrupellos Asiaten mit Zusagen umgehen, hat der Fall Siemens/BenQ unlängst bewiesen - auch wenn hier mit Taiwan Nationalchinesen verantwortlich waren.

Vor diesem Hintergrund ist es kaum nachzuvollziehen, das Gewerkschaften und Betriebsräte für den Einstieg der Chinesen in Frankfurt plädiert und demonstriert haben. Diese Sicht ist einfach nur naiv, wirft aber auch ein schlechtes Licht auf den internen Zustand der Dresdner Bank. Wie marode muss das Haus wohl sein, wenn sich deren Arbeitnehmer kritiklos in die Arme der Chinesen flüchten wollten, fragt sich der Beobachter.

Martin Blessing, der neue starke Mann der Bankenlandschaft, wird noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen.

Seite 2 von 2

© manager magazin 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH