Donnerstag, 19. Juli 2018

SinnLeffers-Insolvenz 1200 Stellen bedroht

Bei der angeschlagenen Textilkette SinnLeffers stehen rund 1200 der insgesamt 4100 Arbeitsplätze auf der Kippe. Die ehemalige KarstadtQuelle-Tochter kündigte an, am Donnerstag ein Insolvenzplanverfahren unter Eigenregie anzumelden.

Dortmund - "Wir sind zuversichtlich, dass wir 70 Prozent der Stellen retten können", sagte der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Peter Zühlsdorff. Es gehe nicht darum, das Unternehmensergebnis auf Kosten der rund 4100 Mitarbeiter zu verbessern. Auch eine Zerschlagung von SinnLeffers werde es nicht geben, fügte Zühlsdorff hinzu.

SinnLeffers: Das Modehaus mit rund 4100 Mitarbeitern kämpft ums Überleben
Als Hauptgründe für die wirtschaftliche Schieflage nannte das Unternehmen die Kaufzurückhaltung der Verbraucher und zu hohe Mieten. Im Durchschnitt zahle SinnLeffers 14,5 Prozent des Umsatzes an die Vermieter, sagte Zühlsdorff. Wünschenswert seien nicht mehr als zehn Prozent. Im abgelaufenen Geschäftsjahr sank der Umsatz des Unternehmens zum Vorjahr um 2,4 Prozent auf 470 Millionen Euro. Das Ergebnis lag laut Geschäftsführer Patrick Feller im "mittleren zweistelligen" Millionenbereich.

Spekulationen, denen zufolge bis zu einem Viertel der Stellen sowie zahlreiche Filialen bedroht sein sollen, wies das Unternehmen zurück. "Darüber können wir im Moment keine Aussagen machen", sagte Feller. Zunächst müsse das Gericht dem Sanierungsplan zustimmen. Erst im November werde der Insolvenzverwalter darüber entscheiden, ob ein Stellenabbau und Filialschließungen notwendig seien.

Gehälter bis Oktober gesichert

Bei einer Plan-Insolvenz in Eigenverwaltung bleibt das Management in der Firma und wird durch einen vom Amtsgericht bestellten Sachwalter unterstützt. Das bedeutet, dass die Sanierer mehr Handlungsspielraum als bei einer gewöhnlichen Insolvenz haben. Amtsgerichte erkennen ein solches Verfahren in der Regel nur dann an, wenn die Chancen auf eine Rettung des Unternehmens gut sind. Der Aufsichtsrat von SinnLeffers berief am Dienstag den Juristen Detlef Specovius von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Schultze & Braun als Insolvenzexperten in die Geschäftsführung.

SinnLeffers will den Geschäftsbetrieb zunächst in allen Filialen fortsetzen. Die Gehälter der Mitarbeiter seien bis Oktober gesichert und würden als Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit gezahlt, teilte das Unternehmen mit. Durch das Insolvenzverfahren sei es zudem jetzt möglich, Mietverträge vorzeitig zu kündigen.

Nach Wehmeyer und Hertie ist SinnLeffers die dritte ehemalige Tochter des Waren- und Versandhauskonzerns KarstadtQuelle - inzwischen in Arcandor Börsen-Chart zeigen umbenannt -, die mit Insolvenz zu kämpfen hat. Eigentümer von SinnLeffers ist heute die Deutsche Industrie Holding (DIH).

Die Standorte der SinnLeffers-Filialen befinden sich in früheren Immobilien von KarstadtQuelle, die der Konzern inzwischen verkauft hat. Zühlsdorff appellierte an die Vermieter, sich auf die veränderte Situation im Einzelhandel einzustellen. "Ohne dass alle aufeinander zugehen, lässt sich die Situation nicht bewältigen".

manager-magazin.de mit Material von ddp

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