Montag, 17. Dezember 2018

MAN-Historie Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge

Der Konzern aus Gutehoffnunghütte (GHH) und MAN gehörte im Zweiten Weltkrieg zu den Stützpfeilern der Rüstungsproduktion im Deutschen Reich. Detailliert schildert der Historiker Johannes Bähr, wie das Unternehmen Tausende Zwangsarbeiter und Hunderte KZ-Häftlinge einsetzte und unter welchen Bedingungen sie arbeiten mussten.

Umfang und Bedeutung der Zwangsarbeit während des Krieges

Ein besonders verwerfliches Verhalten des GHH-Konzerns im Dritten Reich war der Einsatz von Zwangsarbeitern. Wie alle an der Rüstungsproduktion beteiligten Unternehmen, ließen GHH und MAN während des Krieges eine große Zahl von Kriegsgefangenen und ausländischen Zivilarbeitern für sich arbeiten. Der GHH-Konzern hatte auf dem Höchststand von 1944 rund 31.500 Zwangsarbeiter, davon rund 11.000 bei der GHH Oberhausen AG und rund 8500 bei der MAN.159

MAN: Kriegsschäden im Werk Augsburg
In Deutschland waren in den Jahren 1939 - 1945 insgesamt 13,5 Millionen Zwangsarbeiter eingesetzt. Dabei ist zwischen Zivilarbeitern, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen zu unterscheiden. Die ausländischen Zivilarbeiter waren die bei weitem größte Gruppe. Als im Sommer 1944 mit 7,6 Millionen gleichzeitig eingesetzten Zwangsarbeitern der Höchststand erreicht wurde, befanden sich darunter 5 Millionen ausländische Zivilarbeiter und fast 2 Millionen Kriegsgefangene.160 Die Behandlung der Kriegsgefangenen und der ausländischen Zivilarbeiter richtete sich nach den Vorgaben der nationalsozialistischen Rassenpolitik.

Arbeiter aus West- und Nordeuropa waren einem geringeren Maß an Zwang unterworfen und wurden besser verpflegt als die "Ostarbeiter" aus der Sowjetunion. Die Ostarbeiter, die neben den KZ-Häftlingen am unteren Ende der Hierarchie standen, wurden in besonders menschenverachtender Form ausgebeutet. KZ-Häftlinge wurden erst ab 1944 in größerer Zahl in der Rüstungsindustrie eingesetzt. Während die ausländischen Zivilarbeiter vom Werkschutz beaufsichtigt wurden und die Kriegsgefangenen unter der Kontrolle der Wehrmacht standen, blieben die KZ-Häftlinge innerhalb des von der SS beherrschten Systems der Konzentrationslager. Sie arbeiteten in Außenkommandos der Lager und waren in KZ-Außenlagern untergebracht.

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Die deutschen Industrieunternehmen hatten ein existentielles wirtschaftliches Interesse am Einsatz der Zwangsarbeiter, da im Laufe des Krieges ein immer größerer Teil ihrer Stammbelegschaft zur Wehrmacht eingezogen wurde. Die mittlerweile umfangreiche Forschung zur Zwangsarbeit im Dritten Reich ist sich darin einig, dass kein deutsches Unternehmen in der Zeit des Zweiten Weltkriegs seine Ziele ohne Zwangsarbeiter erreichen konnte. Wie Ulrich Herbert betont, hatten die Unternehmen spätestens seit 1941 keine Alternative mehr zum Einsatz von "Fremdarbeitern".161 Ähnlich sieht es der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze: "Ab 1942 war der Einsatz von 'fremdländischen Zivilarbeitern' schlicht und einfach die Eintrittskarte für die Kriegswirtschaft."162

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