Mittwoch, 19. Dezember 2018

Autobranche Merrill hält GM-Konkurs für denkbar

Ohne eine Milliardenspritze könnte dem US-Autokonzern General Motors bald die Puste ausgehen. Die Investmentbank Merrill Lynch hält sogar einen Konkurs für denkbar, wenn es mit dem amerikanischen Automarkt weiter bergab geht. Die Anleger fliehen angesichts dieser Aussichten aus GM-Papieren.

Detroit - General Motors (GM) Börsen-Chart zeigen muss sich nach Einschätzung der Bank 15 Milliarden Dollar frisches Kapital beschaffen. Ansonsten sei es nicht möglich, das Geschäft in den kommenden zwei Jahren aufrecht zu erhalten.

Zukunft unklar: General Motors kommt nicht aus der Krise, die den gesamten US-Automarkt erfasst hat
Getty Images
Zukunft unklar: General Motors kommt nicht aus der Krise, die den gesamten US-Automarkt erfasst hat
Anleger reagierten nervös auf diese Einschätzung und verkauften massenhaft GM-Aktien. Die Papiere büßten in New York mehr als 10 Prozent ihres Wertes ein und fielen auf 10,53 Dollar. Zwischenzeitlich notierten sie sogar ein paar Cent darunter und damit so tief wie seit 1954 nicht mehr.

Innerhalb von zwei Monaten ist der Börsenwert von GM mittlerweile um mehr als die Hälfte geschrumpft. Merrill Lynch stufte die Titel des Autobauers von "Buy" auf "Underperform" ab und stampfte das Kursziel von 28 auf 7 Dollar ein.

GM wollte sich nicht direkt zu dem Bericht äußern. Der Konzern erklärte jedoch, in diesem Jahr über ausreichend Liquidität zu verfügen und will notfalls die Kosten weiter drücken. Zwar sehen auch andere Analysten bei GM einen hohen Kapitalbedarf, die Schätzung von Merrill Lynch ist jedoch bislang die höchste.

Der Optimismus bei GM nach den Juni-Absatzzahlen ist nach den Aussagen von Merrill Lynch zunächst dahin. Dank neuer Rabatte hatte GM im vergangenen Monat einen geringeren Absatzrückgang verbucht als die Wettbewerber Toyota Börsen-Chart zeigen, Ford Börsen-Chart zeigen und Chrysler.

Die düstere Prognose von Merrill Lynch Börsen-Chart zeigen für GM basiert auf von trostlosen Aussichten für den Pkw-Absatz in den USA in diesem und im nächsten Jahr. Dieser werde nun 2008 nur noch bei 14,3 Millionen Einheiten gesehen, zuvor lautete die Schätzung auf 14,8 Millionen Stück. 2009 dürften die Verkäufe weiter auf 14 (zuvor 15,3) Millionen Einheiten sinken.

Die Ratingagentur Standard & Poor's schätzt den Absatz auf 14,9 Millionen Fahrzeuge. GM sagt 15 Millionen Stück vorher, bei einer Erholung der Verkäufe im zweiten Halbjahr.

Möglicherweise werde sich GM nun auch Mittel beim Fonds der Gewerkschaft United Auto Worker leihen. Dieser unabhängige Fonds war mit dem Ziel eingerichtet worden, die Ausgaben für die Gesundheitsvorsorge der Pensionäre zu bestreiten.

Egal wo die Mittel herkämen, die Kapitalerhöhung dürfte höher deutlich höher und teurer ausfallen als von Anlegern erwartet, schreiben die Analysten von Merrill Lynch. Bisher war die Bank von einem Kapitalbedarf bei GM von fünf Milliarden bis 10 Milliarden Dollar ausgegangen.

GM selbst gab sich im Mai noch zuversichtlich. Das Unternehmen verfüge in diesem Jahr über ausreichende Mittel, hieß es im Erstquartalsbericht. Man würde verschiedene Schritte unternehmen, um die Liquidität zu halten, sollten die ungünstigen wirtschaftlichen Bedingungen anhalten oder sich die Lage weiter verschlechtern. Seinerzeit nannte GM als mögliche Maßnahmen eine Senkung der Dividende, eine Kapitalerhöhung am öffentlichen Markt oder durch Schuldverschreibungen.

manager-magazin.de mit Material von reuters, ap, dpa und Dow Jones

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