Freitag, 14. Dezember 2018

Telekom Ricke und Zumwinkel schwer belastet

In der Spitzelaffäre bei der Deutschen Telekom wächst der Druck auf den ehemaligen Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel und Ex-Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke. Dem SPIEGEL zufolge sind die beiden Manager vom ehemaligen Sicherheitschef der Telekom, Klaus Trzeschan, schwer belastet worden: Die Spitzelaufträge kamen von ganz oben.

Hamburg - Bei einer konzerninternen Anhörung, die der Bonner Staatsanwaltschaft vorliege, habe Trzeschan erklärt, dass ihm die Spitzelaufträge von Ricke und Zumwinkel erteilt worden sein. Beide sollen jedoch nicht über konkrete Umstände der Ausführung unterrichtet worden sein.

Ricke (r), Zumwinkel: Aufträge kamen von oben
Wie der "Spiegel" weiter berichtet, wurde ein Teil der Spitzeldienste im November 2006 von einer gemeinsamen Kostenstelle Zumwinkels und des neuen Telekom-Chefs René Obermann abgebucht.

Das Geld sei offenbar vom gemeinsamen Büroleiter der beiden Manager freigegeben worden. Obermann will davon aber nichts gewusst haben. Dem "Spiegel" sagt er: "Ich habe die Rechnung nie gesehen".

Dass in der Telekom offenbar schon früher Spähaktionen gegen Journalisten und ihre Informanten unternommen wurden, hatte ein Hans-Jürgen Knoke bestätigt, von 1998 bis 2004 Sicherheitschef des Konzerns - also auch noch unter der Ära von Vorstandschef Ron Sommer.

"Jeden Tag ne neue Meldung"

"Der Vorstand hat Unzufriedenheit bekundet, dass permanent Interna in die Presse gelangen. Das ging klatsch, klatsch, klatsch, jeden Tag 'ne neue Meldung", sagte Knoke. Deshalb habe man geschaut, wer Zugang zu Unterlagen und Kontakte zu Journalisten hatte. "Dann haben wir Maßnahmen ergriffen."

Unterdessen forderte der CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl mit Blick auf den Skandal härtere Strafen gegen den Datenmissbrauch von Unternehmen. "Täterfirmen" sollten gesetzlich gezwungen werden, den Missbrauch selbst öffentlich zu machen. Dies habe "eine abschreckende Wirkung, wie einst der mittelalterliche Pranger".

Der Telekom warf er zudem "blanke Heuchelei" vor. In der Debatte um die Vorratsdatenspeicherung habe sich die Telekom massiv gegen das geplante Gesetz gewandt und sich zum "Schutzengel ihrer Kunden" stilisiert.

"Das war gang und gäbe"

Ex-Telekom-Sicherheitschef Knoke sieht die Telekom-Affäre unterdessen nur als Spitze des Eisbergs. Der Konzern sei mit seinen Überwachungsmaßnahmen kein Einzelfall. Auch bei anderen großen deutschen Konzernen würden Journalisten ausspioniert. "Schauen Sie mal in andere Dax-Unternehmen. Das ist gang und gäbe. Da waren wir nicht die einzigen." Namen von Unternehmen wollte er aber nicht nennen.

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