Freitag, 14. Dezember 2018

Übernahme ING greift nach Interhyp

Die niederländische ING hat ein Angebot für den Baufinanzierungsvermittler Interhyp abgegeben. Die zwei Hauptaktionäre des Vermittlers haben angeblich bereits ihre Zustimmung gegeben.

München - Der niederländische Finanzkonzern ING will den Baufinanzierungsvermittler Interhyp Börsen-Chart zeigen übernehmen. ING biete 64 Euro je Interhyp-Aktie, teilten die Firmen am Montag mit. Das entspreche einem Unternehmenswert von 416 Millionen Euro.

Holland-Klischee: Tulpen aus Amsterdam. Bei der Übernahme von Interhyp geht es weitaus handfester zu.
Das bedeutet einen Aufschlag von 42 Prozent zum Freitags-Schlusskurs von 49 Euro der im Kleinwerteindex SDax notierte Interhyp-Aktie. Die beiden Interhyp-Hauptaktionäre Robert Haselsteiner und Marcus Wolsdorf, die zusammen rund 32 Prozent der Anteile an dem Unternehmen halten, haben sich den Angaben zufolge verpflichtet, das Übernahmeangebot anzunehmen.

Sie erhalten dafür zusammen 134 Millionen Euro. Nach dem Eigentümerwechsel sollen beide Manager an Bord bleiben und Interhyp gemeinsam mit dem künftigen Finanzchef Jörg Utecht leiten.

Die Frist für das Übernahmeangebot beginnt im Juni und wird voraussichtlich vier Wochen laufen. Mit der Übernahme wolle die ING-Direktsparte ING Direct ihr Angebot in den Bereichen Sparen, Baufinanzierung, Girokonten und Anlageprodukte stärken. Das Geschäft müsse noch von den zuständigen Behörden genehmigt werden und solle im dritten Quartal 2008 abgeschlossen sein. ING will sich auf jeden Fall zumindest die Mehrheit sichern. Bei Interhyp geht man davon aus, dass das Geschäft bis zum Ende des dritten Quartals abgewickelt sein wird. Die Stimmung sei bei den Münchenern gut, heißt es.

Interhyp vermittelt Baufinanzierungen anderer Anbieter und kassiert dafür Provisionen. Wegen der schwachen Nachfrage musste die Münchener Firma im ersten Quartal einen Gewinnrückgang hinnehmen. Interhyp kommt auf einen Marktanteil von etwa 3 Prozent. Hauptrivalen sind, wie für ING auch, die im deutschen Privatkundengeschäft dominierenden Sparkassen. 2007 vermittelte Interhyp über das Internet, Call-Center und eigene Filialen ein Baufinanzierungsvolumen von 5,7 Milliarden Euro.

ING will die Marke Interhyp und den Firmensitz erhalten. In Deutschland sind die Niederländer vor allem für die Direktbank ING-Diba bekannt, die lange Jahre auf hohe Wachstumsraten verweisen konnte. Die Niederländer sind weltweit mit 125.000 Mitarbeitern aktiv und haben über 75 Millionen Kunden. Die Annahmefrist für die Interhyp-Aktionäre beginnt nach der Hauptversammlung am 4. Juni. Damit haben die jetzigen Eigentümer noch Anspruch auf die Dividende für 2007. Interhyp schüttet fast 27 Millionen Euro aus, deutlich mehr als der Jahresüberschuss von gut 18 Millionen. Die normale Dividende beläuft sich auf 2,10 Euro je Aktie, hinzu kommt eine Sonderzahlung von zwei Euro je Aktie.

Seit dem Börsengang von Interhyp im September 2005 war das Unternehmen außerordentlich gut kapitalisiert. Deswegen hatten Branchenkenner lange Zeit eher Zukäufe für möglich gehalten.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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