Samstag, 23. Februar 2019

Spritpreise Abkehr vom Diesel

Dieselfahren lohnt oft nicht mehr: Seitdem der Kraftstoff vereinzelt sogar teurer ist als Benzin, geht der Anteil von Diesel-Neuzulassungen in Deutschland wieder zurück. Laut einer Studie muss sich die Autoindustrie darauf einstellen, dass der Trend anhält. Doch die Hersteller schwören weiter auf den Selbstzünder.

Hamburg - Für viele Autofahrer hieß das Rezept gegen steigende Spritpreise in den vergangenen Jahren: Diesel. Seit 1995 haben sich die Zulassungszahlen für den Selbstzünder von 14,6 Prozent auf 47,7 Prozent mehr als verdreifacht.

Wer die Wahl (nicht) hat: Dieselfahrer sind über hohe Treibstoffkosten besonders verärgert. Mit ihren teureren Autos sparen sie nicht so viel wie erhofft.

Doch nun, da der Dieselpreis von Rekord zu Rekord eilt, und der Treibstoff vereinzelt sogar mehr kostet als Benzin, packt Dieselfahrer beim Blick auf die Zapfsäule die Wut - angesichts der rapide gestiegenen Kosten von bis zu 1,50 Euro pro Liter entpuppt sich die Anschaffung ihres Autos mitunter als ökonomischer Fehlschlag. "Wer einen Diesel nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten kauft, der kommt immer seltener in den Genuss eines Vorteils", konstatiert auch der ADAC.

Diese Erkenntnis setzt sich jetzt verstärkt bei Käufern von Neufahrzeugen durch. Laut den Zulassungszahlen des Flensburger Kraftfahrtbundesamts hat der Diesel an Popularität eingebüßt. Von Januar bis April 2008 betrug der Anteil nur noch 45,9 Prozent. Abgesehen vom Jahr 2005, als die Diskussion um den Partikelfilter die Käufer verunsicherte, ist das der erste markante Rückgang in der Statistik seit Beginn des Booms.

"Der Pkw-Diesel hat seinen Höhepunkt überschritten", sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, Direktor am Center Automotive Research (CAR). Noch vor Kurzem war die Fachwelt davon ausgegangen, dass die Automobilindustrie wenigstens noch ein paar Jahre mit weiter steigendem Interesse an Dieselfahrzeugen in Deutschland und Westeuropa rechnen kann. Dementsprechend richtete sie ihre Fahrzeugflotte aus.

In den kommenden Jahren wird der Anteil des Diesels weiter zurückgehen, erwartet Dudenhöffer jedoch. Bis 2015 werde die Quote auf 38 Prozent sinken, 2020 hätten nur noch 30 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge einen Dieselantrieb, so die Prognose.

Höhepunkt überschritten: Dieselanteile an Neuwagen in Deutschland
manager-magazin.de
Höhepunkt überschritten: Dieselanteile an Neuwagen in Deutschland

Momentan leidet der Diesel auch unter seinem eigenen Erfolg, der sich in einer zuletzt weltweit stark gestiegenen Nachfrage gezeigt hat. In China und Indien, wo die Motorisierung stark zunimmt, wächst auch der Durst nach Diesel. Und in den USA versuchen vor allem deutsche Hersteller, dem Selbstzünder zum Durchbruch zu verhelfen. Zwar bewegt sich der Dieselanteil in den USA noch im niedrigen einstelligen Bereich, wächst aber. Der benötigte schwefelarme Treibstoff wird überwiegend in Europa hergestellt. In den dortigen Raffinerien werden die Kapazitäten eng - der Preis steigt.

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