Montag, 22. Oktober 2018

RWE Der Vorweggeher

2. Teil: Geldregen bei Übernahme

Geldregen beim Einstieg eines Investors

Dabei ist der mögliche Einstieg eines Investors bei RWE ein wunder Punkt des Managers. Überschreitet ein Anteilseigner die 30-Prozent-Hürde, dann dürfte Großmann dank einer Sonderklausel sein Amt sofort niederlegen und die gesamten Bezüge des bis 2012 laufenden Vertrags kassieren - mehr als 40 Millionen Euro kämen wohl zusammen.

Umstrittener neuer Slogan:
"VoRWEg gehen" - passt nicht unbedingt zu jedem Anlass
"Ich fühle mich nicht überbezahlt", verteidigt sich Großmann und verweist darauf, dass er darüber hinaus ja keine Pensionsansprüche besitze. Außerdem nehme diese Summe jeden Tag, den er für den Energiekonzern arbeite, ab.

Durch eigene Übernahmen könnte sich RWE schwergewichtiger und damit weniger anfällig für Avancen von Wettbewerbern machen. "Wir werden uns aber nicht in Bieterkämpfe begeben", betont Großmann. Auf die Frage nach einem konkreten Interesse von RWE an dem britischen Atomkraftwerksbetreiber British Energy Börsen-Chart zeigen ging er vor den Mitgliedern des Clubs Hamburger Wirtschaftsjournalisten nicht ein, das Wachstum im Ausland habe für ihn aber weiterhin Priorität.

Unverhohlen zeigte Großmann dagegen sein Interesse an EWE, den Oldenburger Energieversorger würde er gern kaufen - im Gegensatz zum angeschlagenen Hamburger Solarunternehmen Conergy Börsen-Chart zeigen. Regenerative Energien scheinen für ihn sowieso nur eine untergeordnete Rolle zu spielen. Zur Sicherstellung der Stromversorgung in Deutschland setzt er weiter primär auf die Kernkraft und auf moderne Kohlekraftwerke und mahnt hier mehrfach zur Vorsorge: "Die Stromlücke zeigt sich schleichend". RWE will deshalb in den nächsten fünf Jahren rund 30 Milliarden Euro investieren.

Für Branchenexperten ist diese Fokussierung sicher keine Überraschung. Die Aussagen Großmanns scheinen in ihrer Eindeutigkeit aber nicht so recht zum Zeitgeist im Lande zu passen. Auch der neue Konzernclaim "VoRWEg gehen" wird deshalb oft kritisiert.

Großmann verteidigt den eigenwilligen Slogan, in dem als bemüht wirkender kleiner Gag die drei Konzernbuchstaben vorkommen: "Der Spruch bleibt". Und bei möglichen Ankündigungen für Preiserhöhungen, Kündigungen oder gar Kondolenzschreiben könne man dann ja auf neutrales Briefpapier ausweichen. Rumms - da war sie wieder, die hemdsärmlige Art, mit der einige Mitarbeiter in dem Konzern mit den vielen Hierachieebenen nicht immer klarkommen.

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