Dienstag, 20. November 2018

AUB Wenn Betriebsräte handzahm werden

Erst bei Siemens, nun angeblich auch bei Aldi Nord: Wegen fragwürdiger Geldflüsse ist der Ruf der Betriebsräteorganisation AUB ramponiert. Weiterhin sitzen ihre Mitglieder in den Arbeitnehmervertretungen deutscher Unternehmen. Doch der Niedergang der "Unabhängigen" scheint kaum zu stoppen - zur Freude etablierter Gewerkschaften.

Hamburg - Heribert Fieber ist ein Gewerkschafter der unfolgsamen Sorte. Er wehrte sich, als der Siemens-Konzern Börsen-Chart zeigen Hunderte von Arbeitsplätzen am Standort Hofmannstraße abbauen wollte. Unter seiner Führung widersprach der Betriebsrat jeder einzelnen betriebsbedingten Kündigung. Kurzum: Fieber, knapp 30 Jahre lang Arbeitnehmervertreter, fiel manchem Konzernsanierer zur Last. Schon bald bekam er Gegenwind zu spüren.

Probleme mit Protesten: Siemens wandte sich der IG-Metall-Konkurrenz AUB zu
Der IG-Metaller traute seinen Augen nicht, als er eines Morgens im November 2003 zur Arbeit ging. Auf mehreren Großplakaten rund um das Siemens-Areal prangte sein Name - in wenig schmeichelhaftem Kontext: "Fieber, Filz und Führungsschwäche. Das haut den stärksten Standort um!" Ein weiterer Slogan lautete: "Lasst die IG Metall ihr blaues Wunder erleben. Fieber stoppen. Hofmannstraße retten." Plumpe Wortspielereien, initiiert von der "Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger". Kurz: AUB.

Betriebsratswahlen standen an, und Fieber sollte offenbar abgelöst werden. Der langjährige Vorsitzende war völlig verblüfft, schließlich hatte er mit den AUB-Mitgliedern im Betriebsrat bislang weitgehend problemlos zusammengearbeitet. Beschlüsse wurden oft einstimmig getroffen. Als er die betreffenden Kollegen wegen der Plakataktion zur Rede stellte, bekam er zu hören: "Das kommt von ganz oben."

Ganz oben, damit war der AUB-Chef gemeint. Ein Mann Namens Wilhelm Schelsky. "Den kannte ich damals gar nicht", sagt der Ex-Betriebsrat heute, "wieso hat er mich also persönlich angegriffen?". Fieber wunderte sich auch, woher die AUB das Geld für eine derartige Aktion nahm. Von den Jahresbeiträgen, damals acht Euro pro Mitglied? Wohl kaum.

Heute stellt sich der Fall klarer dar. Schelsky sitzt seit Februar 2007 in Untersuchungshaft. Die Vorwürfe lauten unter anderem auf Steuerhinterziehung und Beihilfe zur Untreue. Siemens hatte einen Beratervertrag mit Schelsky abgeschlossen, millionenschwere Zahlungen flossen. Diese waren nach Ansicht der Ermittler für den Aufbau der AUB bestimmt - als arbeitgeberfreundlicher Gegenpol zur IG Metall. Von einem "merkwürdigen und fehlgeleiteten Verhalten" spricht der neue Siemens-Chef Peter Löscher, der sich im November bei Beschäftigten und Betriebsräten entschuldigte.

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