Montag, 10. Dezember 2018

Bear Stearns J. P. Morgan verfünffacht Preis

Für 2 Dollar je Aktie hatte die US-Investmentbank JP Morgan den angeschlagenen Konkurrenten Bear Stearns übernommen: Ein "fire sale" zum Sonderpreis. Doch nur eine Woche später erhöht der Käufer sein Gebot auf 10 Dollar je Aktie. Die Wall Street ist entzückt.

New York - Angesichts massiver Proteste von Aktionären hat die US-Großbank J.P. Morgan Chase ihren Übernahmepreis für die schwer angeschlagene Investmentbank Bear Stearns deutlich nachgebessert. J.P. Morgan zahlt nun mit zehn Dollar je Aktie fünfmal mehr als bisher angeboten.

Bear Stearns: Notverkauf zum Ramschpreis - nun wird aufgestockt
In einem ersten großen Schritt kauft die Großbank zudem knapp 40 Prozent der Bear-Stearns-Anteile direkt von der Investmentbank. Dies teilte J.P. Morgan am Montag in New York mit.

In einer Rettungsaktion für die vor der Pleite stehende fünftgrößte Investmentbank war vor einer Woche der Notverkauf zu zwei Dollar je Aktie vereinbart worden.

In der Branche galt dies als Ramschpreis, da der Kurs kurz zuvor trotz eines bereits heftigen Einbruchs noch über 30 Dollar gelegen hatte. Aktionäre hatten heftigen Widerstand angekündigt und das Geschäft damit gefährdet.

Das nun diskutierte Angebot bewertet Bear Stearns mit mehr als einer Milliarde Dollar (650 Mio Euro). J.P. Morgan hofft, auf diese Weise eine Mehrheit der Aktionäre zum Verkauf ihrer Anteile bewegen zu können.

Mehr als eine Milliarde statt 230 Millionen Dollar

Die "New York Times" hatte zuvor berichtet, mit einer Anhebung der Offerte sollten die erbosten Aktionäre von Bear Stearns beruhigt werden. Bear Stearns hatte vor rund einer Woche einem Übernahmeangebot von JPMorgan von 236 Millionen Dollar oder zwei Dollar pro Aktie zugestimmt. Das Gebot lag zu diesem Zeitpunkt 93 Prozent unter dem damals letzten Aktienkurs der fünftgrößten US-Investmentbank. Vor etwa einem Jahr war das Papier sogar noch 172 Dollar wert.

Wegen des niedrigen Angebots stürzte der Kurs zu Beginn der vergangenen Woche zeitweise ab. Da Anleger in den Tagen darauf aber auf ein höheres Gebot spekulierten, zog die Aktie an und schloss am Donnerstag bei rund sechs Dollar.

Am Montag legten die Papiere von Bear Stearns Börsen-Chart zeigen nach der Nachricht über die mögliche Aufstockung im elektronischen Handel um mehr als 50 Prozent zu. Auch der Dow Jones Börsen-Chart zeigen startete mit deutlichen Gewinnen und kletterte bis 15.30 Uhr um knapp 200 Zähler.

Bear Stearns hatte sich am US-Immobilienmarkt mit Ramschhypotheken verspekuliert. Die Lage hatte sich im März zugespitzt, als es Gerüchte gab, die Bank habe Geldprobleme. Bear Stearns dementierte dies zunächst. Doch dann musste die US-Notenbank Fed zusammen mit JPMorgan für die Bereitstellung von Krediten einspringen.

In Finanzmarktkreisen hatte es hinterher geheißen, mehrere Banken hätten sich angesichts der Spekulationen geweigert, noch Geschäfte mit Bear Stearns zu machen. Die Gesamtkosten der Übernahme hatte JPMorgan damals mit sechs Milliarden Dollar beziffert. Dabei garantierte die Bank für die Einlösung sämtlicher finanzieller Verpflichtungen von Bear Stearns.

Die Fed unterstützt sie dabei mit bis zu 30 Milliarden Dollar. Ein Zusammenbruch von Bear Stearns mit rund 14.000 Beschäftigten hätte nach Ansicht von Experten unabsehbare Folgen für das gesamte Bankensystem gehabt. Handelspartner hätten große Verluste fürchten müssen, die Kreditvergabe wäre erheblich eingeschränkt worden.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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