Montag, 16. Juli 2018

Rente Hoffnung auf ein wenig mehr Geld

Die 20 Millionen Rentner in Deutschland können nach Presseberichten auf höhere Bezüge hoffen. Dafür müsste die Regierung das Gesetz ändern. Doch selbst bei einer Erhöhung um 1 Prozent bliebe den Rentnern unter dem Strich weniger Geld in der Tasche.

Berlin - Um den 20 Millionen Rentnern am 1. Juli etwas mehr Geld zukommen zu lassen, will die Regierung womöglich das Gesetz ändern. Dies berichteten am Freitag mehrere Zeitungen. Ohne die Änderung wären wahrscheinlich nur etwa 0,5 Prozent Rentenerhöhung möglich, mit der Korrektur etwa das Doppelte. Das Sozialministerium erklärte dazu offiziell, man rechne noch. Ob man reagieren werde und wie, werde man erst später bekannt geben.

Renten steigen kaum: Nach drei Nullrunden haben Deutschlands Rentner im Jahr 2007 0,54 Prozent mehr bekommen. In diesem Jahr könnte die gesetzliche Rente um 1 Prozent steigen.
"Handelsblatt", "Saarbrücker Zeitung" und "Passauer Neue Presse" beriefen sich in Vorabmeldungen auf Regierungs- oder Koalitionskreise. Sozialminister Olaf Scholz (SPD) solle den sogenannten Riester-Faktor in der Rentenanpassungsformel für zwei Jahre aussetzen, hieß es. Dieser Faktor ist letztlich ein Abzug von der jährlich möglichen Rentenerhöhung. Begründung für diesen Abzug ist, dass die heute aktiven Arbeitnehmer wegen der vom Staat geförderten und geforderten zusätzlichen privaten Altersvorsorge weniger in der Tasche haben und auch künftig weniger staatliche Rente erhalten sollen, als die heutige Rentnergeneration. Durch den Abzug sollen auch die heutigen Rentner an der Umstellung beteiligt und die Lasten geteilt werden.

Unionsfraktionschef Volker Kauder sagte der "Passauer Neuen Presse": "Wir werden etwas für die Rentner tun. Da muss etwas geschehen." Union und SPD seien bereit, den Rentnern zu helfen. Eine Rentenerhöhung von 0,4 Prozent wäre für viele äußerst unbefriedigend, weil damit nicht einmal die Inflation ausgeglichen würde, wird Kauder zitiert. Rentenexperten der Koalition würden über mögliche Lösungen beraten.

Erhöhung würde Preissteigerung nicht auffangen

Noch im Oktober hatte der Rentenschätzerkreis eine Rentenerhöhung zum 1. Juli 2008 um rund 1 Prozent vorhergesagt. Ein entscheidender Faktor in der Berechnungsformel ist die Entwicklung der Löhne im Vorjahr. Die Rentenschätzer hatten eine Lohnsteigerung 2007 von 1,9 bis 2,1 Prozent angenommen. Laut Statistischem Bundesamt stiegen die Bruttolöhne und -gehälter tatsächlich aber nur um 1,4 Prozent.

Im vergangenen Jahr waren die Renten nach drei Nullrunden erstmals wieder leicht gestiegen, und zwar um 0,54 Prozent. Auch mit der jetzt offenbar angestrebten Rentenerhöhung von rund 1 Prozent hätten die Ruheständler unter dem Strich weniger im Portemonnaie. Die Inflationsrate lag bei 2,2 Prozent.

Der Sozialverband VdK hält die Pläne der Regierung zur Stärkung der Erhöhung dem Bericht zufolge deshalb für unzureichend: "Es muss eine generelle Lösung gefunden werden, damit die Rentner nicht immer die Dummen der Nation sind", sagte VdK-Präsident Walter Hirrlinger der Zeitung. Ab Juli würden die Rentner mit der Erhöhung des Pflegeversicherungsbeitrages um 0,25 Prozent zusätzlich belastet. "Das frisst Erhöhungen zu einem guten Teil wieder auf", sagte Hirrlinger.

manager-magazin.de mit Material von ap

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