Samstag, 5. September 2015

Projekt Ravel J. P. Morgan soll die Rockwood-Übernahme für Altana finanzieren

Bei der Altana AG und ihrer Großaktionärin Susanne Klatten dürfte schon am Montag eine wichtige Entscheidung fallen: Dann wird sich nach Informationen von manager-magazin.de der Aufsichtsrat mit der geplanten Milliardenübernahme des US-Konkurrenten Rockwood befassen. Analysten und Mitarbeiter bewerten das Vorhaben kritisch.

Hamburg/Wesel - Die Beteiligten trafen sich am Donnerstag (6. März) im Welcome Hotel an der Rheinpromenade 10 am Altana-Sitz Wesel. Sie kamen, um über das geheime "Projekt Ravel" zu sprechen: die Übernahme der Rockwood Holdings Inc. Börsen-Chart zeigen durch den deutschen Spezialchemiekonzern. Bei der Zusammenkunft präsentierte die achtköpfige Altana-Unternehmensleitung um Vorstandschef Matthias Wolfgruber (siehe Foto unten) ihre Akquisitionspläne den Vertretern einer Bank, die den Deal finanzieren soll. Dies erfuhr manager-magazin.de aus mit dem Vorgang vertrauten Kreisen.

Die Unternehmensleitung der Altana AG: (v.l.n.r.) Roland Peter (Additives & Instruments, Chef der BYK-Chemie GmbH), Martin Babilas (Finanzvorstand), Christoph Schlünken (Effect Pigments, Chef der Eckart GmbH), Matthias Wolfgruber (Vorstandsvorsitzender), Jörg Bauer (Human Resources), Guido Forstbach (Coatings & Sealants, Chef der Actega GmbH), Darya Nassehi (Strategische Unternehmensentwicklung, M&A), Wolfgang Schütt (Electrical Insulation, Chef der Elantas GmbH)
Altana AG/Mirko Krizanovic
Die Unternehmensleitung der Altana AG: (v.l.n.r.) Roland Peter (Additives & Instruments, Chef der BYK-Chemie GmbH), Martin Babilas (Finanzvorstand), Christoph Schlünken (Effect Pigments, Chef der Eckart GmbH), Matthias Wolfgruber (Vorstandsvorsitzender), Jörg Bauer (Human Resources), Guido Forstbach (Coatings & Sealants, Chef der Actega GmbH), Darya Nassehi (Strategische Unternehmensentwicklung, M&A), Wolfgang Schütt (Electrical Insulation, Chef der Elantas GmbH)

Bei dem Haus, das das Geld für den von Altana Börsen-Chart zeigen angestrebten Zukauf bereitstellen soll, handelt es sich nach Informationen von manager-magazin.de um die US-Investmentbank J. P. Morgan. Insgesamt gehe es bei dem Geschäft um ein Volumen von 4,2 Milliarden Euro, erfuhr manager-magazin.de weiter. Altana-Sprecher Achim Struchholz lehnte auf Nachfrage einen Kommentar ab, J.-P.-Morgan-Sprecher Axel Lüdeke wollte sich ebenfalls nicht äußern.

Entscheidende Aufsichtsratssitzung am Montag

Da es keinen Vorratsbeschluss der Altana-Eigentümer für die erforderlichen Kapitalmaßnahmen gibt, will und muss sich die Unternehmensleitung ihr geplantes Refinanzierungspaket von der Hauptversammlung genehmigen lassen. Diese ist für den 5. Mai angekündigt. Die Weichen für die Tagesordnung, mit der die Altana-Aktionäre über umfangreiche Kapitalmaßnahmen informiert werden sollen, sind gestellt. Der Vorstandsvorschlag zur Tagesordnung soll bereits am Montag (10. März) auf einer Sitzung des Altana-Aufsichtsrats genehmigt werden.

Die Entwürfe der Tagesordnung, die am 27. März an die Aktionäre verschickt werden soll, enthalten nach Informationen von manager-magazin.de Beschlussanträge an die Hauptversammlung, die dem Management eine mehr als 50-prozentige Kapitalerhöhung erlauben - allerdings ohne ein konkretes Übernahmeziel zu nennen. Im Einzelnen soll sich das zur Genehmigung anstehende Refinanzierungspaket zusammensetzen aus: 900 Millionen Euro Kapitalerhöhung durch Ausgabe neuer Aktien, 500 Millionen Euro Hybrid (also eigenkapitalähnlichen langfristigen Krediten), 200 Millionen Euro Wandelschuldverschreibungen und 200 Millionen Euro Kreditlinie. Zusammen sind dies 1,8 Milliarden Euro.

Einen Teil des verbleibenden Rests von 2,4 Milliarden Euro aus dem 4,2-Milliarden-Euro-Gesamtpaket wolle Altana durch Weiterverkäufe von Rockwood-Sparten wieder hereinholen, erfuhr manager-magazin.de weiter. Etwa die Hälfte der Rockwood-Geschäfte solle nach der Übernahme verkauft werden, die zweite Hälfte komme zu Altana. Das nicht mehr benötigte Dach von Rockwood, also die Holding selbst, werde aufgelöst.

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