Mittwoch, 14. November 2018

Machtverhältnisse Porsche-Clan zieht an Piëch vorbei

Die Machtverhältnisse zwischen den Familien Porsche und Piëch haben sich offenbar erheblich verschoben. Inzwischen besitzen die Porsches einem Magazinbericht zufolge einen deutlich größeren Anteil an der Porsche Automobil Holding. Derweil will der Konzern angeblich seinen Einfluss auf Volkswagen weiter erhöhen.

Hamburg - Die Familie Porsche verfügt insgesamt über 61,895 Prozent der Stammaktien an der Porsche Automobil Holding Börsen-Chart zeigen, die Familie Piëch nur über 38,105 Prozent. Die Porsche Automobil Holding wiederum hält knapp 31 Prozent am VW-Konzern und alle Stammaktien an der Sportwagenfirma Porsche. Das berichtet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Ein Sprecher des Sportwagenbauers wollte die Verschiebung der Anteile nicht kommentieren.

Mächtiger Einflüsterer: Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche spricht mit Wendelin Wiedeking, dem Vormann der Porsche Automobil Holding
Bislang hatte es stets geheißen, der Porsche-Zweig verfüge über 53,7, die Piëchs über 46,3 Prozent an der Porsche Holding. Unbemerkt von der Öffentlichkeit aber wurden die Anteile von Louise Daxer-Piëch bereits am 27. August 2003 in eine gemeinsame Firma mit zwei Porsche-Brüdern eingebracht, schreibt der SPIEGEL. In der "Familien Porsche-Daxer-Piëch Beteiligung GmbH" sind die Anteile von Louise Daxer-Piëch, Ferdinand Alexander Porsche und Gerhard Porsche gebündelt. Diese GmbH hält 25,67 Prozent an der Porsche Holding. Durch diesen Wechsel erhöhte sich dem Magazinbericht zufolge der Anteil des Porsche-Zweigs.

Wolfgang Porsche, der Aufsichtsratsvorsitzende der Porsche-Holding, wehrte sich im SPIEGEL zudem gegen Kritik an Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. "Alle Porsche- Familienmitglieder stehen geschlossen hinter Wiedeking." Sie würden es "nicht zulassen, dass der Porsche-Chef beschädigt wird".

Stockt Porsche den VW-Anteil weiter auf?

Ferdinand Piëch ist nach Informationen des SPIEGEL nicht nur aus dem Präsidium des Aufsichtsrats der Porsche Holding, sondern auch aus dem Präsidium des Aufsichtsrats der Sportwagenfirma Porsche ausgetreten. Dies hat mit den geänderten Beteiligungsverhältnissen aber nichts zu tun und ist auch nicht als Rückzug zu werten. Piëch wird stattdessen in den Aufsichtsrat bei Audi Börsen-Chart zeigen einziehen.

Unterdessen berichtete der "Focus", Porsche-Chef Wiedeking wolle seine Macht bei VW weiter ausbauen. Der Porsche-Konzern plane die Erhöhung seiner Anteile an dem Wolfsburger Autokonzern auf 75 Prozent. Wiedeking könnte dann einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit Volkswagen Börsen-Chart zeigen durchsetzen und hätte somit auch operativen Zugriff auf die Geschäfte von VW. Porsche wollte sich konkret nicht zu dem Bericht äußern. Ein Konzernsprecher verwies auf Anfrage der Nachrichtenagentur DPA aber auf die Ankündigung des Sportwagenbauers vor wenigen Tagen, dass Porsche seinen VW-Anteil von aktuell knapp 31 auf über 50 Prozent ausbauen werde. "Mehr haben wir dazu derzeit nicht zu sagen."

Sollte es zu dem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag kommen, würden die wichtigsten Entscheidungen nicht wie bisher im VW-Aufsichtsrat, sondern in der europäischen Porsche-Holding gefällt. Die Stuttgarter könnten dann über Vorstandsposten, neue Fahrzeugmodelle oder Standorte bestimmen. Zudem würden sämtliche Gewinne auf ihr Konto fließen. Den übrigen Aktionären, vor allem dem Land Niedersachsen, stünden nur jährliche Ausgleichszahlungen zu.

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