28.02.2008
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Welthandel
Häfen unter Zugzwang

Von Christoph Rottwilm

Die nordeuropäischen Häfen stehen offenbar vor größeren Problemen als bisher bekannt. Laut einer Studie müssen sie in den kommenden Jahren mit deutlich mehr Containerverkehr rechnen, als angenommen. Betroffen ist vor allem Hamburg - wo schon jetzt das Wachstum kaum zu bewältigen ist.

Hamburg - Die Hamburger Reeder dürften die Regierungsbildung in ihrer Heimatstadt nach der Bürgerschaftswahl am vergangenen Wochenende besonders gespannt verfolgen. Kommt es zur ersten schwarz-grünen Koalition auf Landesebene? Dass für die Zukunft der Hansestadt vieles davon abhängt, liegt auf der Hand. Der Schifffahrtsbranche jedoch liegt besonders die geplante Elbvertiefung am Herzen. Bei diesem Projekt stehen sich die Standpunkte beider Parteien schier unvereinbar gegenüber. Gut möglich also, dass sich die Vertiefung der Fahrrinne unter einer schwarz-grünen Stadtregierung noch weiter verzögern würde. Schon jetzt ist mit einer Realisierung vor 2011 kaum noch zu rechnen.

Viel Kapazität: Die "Emma Maersk", eines der größten Containerschiffe der Welt
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DPA

Viel Kapazität: Die "Emma Maersk", eines der größten Containerschiffe der Welt

Laut einer Studie der HypoVereinsbank (HVB) Chart zeigen und der Unternehmensberatung Bonum kämen die Stadtplaner aus Sicht der Hafenwirtschaft jedoch selbst damit rund zwei Jahre zu spät. "Unter Berücksichtigung des stark zunehmenden Asienverkehrs müssen die bisherigen Wachstumsprognosen in Bezug auf den künftigen Containerumschlag in den großen nordeuropäischen Häfen deutlich nach oben korrigiert werden", sagte Behrend Oldenburg, der die Studie für Bonum betreut hat, bei der Präsentation. "Betroffen ist vor allem Hamburg, das von allen so genannten Nordrangehäfen den größten Anteil am Asienverkehr hat."

In Zahlen ausgedrückt heißt das: Bisherige Prognosen für den Zeitraum bis 2015 gingen von Wachstumsraten beim Containerumschlag in den nordeuropäischen Häfen zwischen knapp 7 und etwa 9 Prozent aus. HVB und Bonum dagegen kommen - unter Berücksichtigung der besonders expansiven Einflüsse aus Fernost - für die Häfen in Rotterdam, Hamburg, Antwerpen und Bremerhaven zu einem Zuwachs von knapp 11 Prozent.

Die Folge: Die Häfen müssen ihre Kapazitäten den neuen Anforderungen anpassen - und zwar schneller als bisher gedacht. "In Hamburg zum Beispiel hinkt von der Elbvertiefung über den Ausbau und die Produktivitätssteigerung bestehender Terminals bis hin zur Inbetriebnahme zusätzlicher Umschlaganlagen die Planung nahezu aller derzeitigen Projekte der tatsächlichen Entwicklung hinterher", sagt Oldenburg. "Andere Standorte wie Wilhelmshaven, wo der Bau des Jade-Weser-Ports ansteht, und Bremen/Bremerhaven stehen vor ähnlichen Problemen."

Schon jetzt stößt der Hamburger Hafen an seine Grenzen. Bonum-Mann Oldenburg berichtet etwa von der Großreederei China Shipping Container Lines (CSCL), die Schwierigkeiten habe, freie Terminalplätze für einen geplanten Liniendienst zwischen Europa und Asien zu finden. Kommt nicht bald ein positives Signal aus Hamburg, so der Experte, werde CSCL die zum Einsatz kommenden Schiffe mit einer Tragfähigkeit von je 8000 Stellplätzen (TEU) möglicherweise nach Bremerhaven umleiten.

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