Sonntag, 9. Dezember 2018

Führung "Zetsche hat es begriffen"

Die Steueraffäre um Klaus Zumwinkel bringt Konzernchefs in Verruf. Die Machtelite schottet sich immer weiter von Gesellschaft und Moral ab, kritisiert Managementtrainer Daniel Pinnow. Doch einige Dax-Kapitäne haben seiner Ansicht nach verstanden, was gute Unternehmensführung ausmacht.

mm.de: Herr Pinnow, nach der Steueraffäre um den ausgeschiedenen Post-Chef Klaus Zumwinkel stehen Deutschlands Eliten am Pranger. Warum eigentlich? Experten sagen, Steuerhinterziehung sei ein Volkssport, den gewiss nicht nur Topmanager betreiben.

Daniel F. Pinnow ist Managementberater und Geschäftsführer der Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft in Überlingen. Die Akademie trainiert nach eigenen Angaben mehr als 8500 Spitzenkräfte pro Jahr. Außerdem lehrt Pinnow Personalführung und Human Resources Management an der TU München. Seit 2007 fungiert Pinnow auch als außerordentlicher Professor für Leadership und Management an der Capital University of Economics and Business in Peking. Er ist Autor der Bücher "Elite ohne Ethik" und "Führen - worauf es wirklich ankommt."
Pinnow: Das ist richtig. In Deutschland haben die Wenigsten ein Problem damit, Steuergesetze zum eigenen Vorteil zu umgehen. Das liegt auch am Steuersystem. Es ist nicht gerade motivierend, wenn Leistungsträger 42 Prozent des Gehalts - oder mehr - an den Staat abgeben müssen

Doch das Grundproblem ist komplexer. Wir erleben eine Wirtschafts- und Machtelite, die sich immer stärker abkoppelt, auch von Moralvorstellungen der Gesellschaft. Dazu gehört nicht nur Zumwinkel, sondern beispielsweise auch Jürgen Schrempp. Trotz Erfolglosigkeit bei DaimlerChrysler erhielt er Aktienoptionen im zweistelligen Millionenwert, die ihm der Aufsichtsrat gewährt hat. So etwas ist nur innerhalb geschlossener Zirkel möglich. Das gilt auch für den Fall des EnBW-Chefs Utz Claassen, der sich im Alter von 44 Jahren ein Ruhegeld von jährlich 400.000 Euro zusichern ließ. Immerhin will der Energiekonzern solche Extremfälle künftig vermeiden.

mm.de: Was meinen Sie mit geschlossenen Zirkeln?

Pinnow: Elite bedeutet auch, verantwortungsbewusst zu handeln. Ein Teil der deutschen Managerklasse übernimmt aber keine Verantwortung mehr. Innerhalb ihres Zirkels nutzen diese Manager ihre Macht schamlos aus, um sich selbst zu bereichern. Das Urteil der Öffentlichkeit ist ihnen dabei völlig gleichgültig. Bemerkenswert ist auch, dass geschasste Konzernchefs nie tief fallen. Denn ihr elitäres Netzwerk fängt sie auf. Sie bekommen immer einen neuen Job, ob als Unternehmenslenker oder als Berater. Die Sorge vor Restriktionen und Konsequenzen geht dabei verloren. Dies führt zu einer zynischen Gleichgültigkeit.

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